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	<title>klassik.com - der META Klassik-Blog</title>
	<link>http://magazin.klassik.com/autoren/klassik-weblog.cfm</link>
	<description>Das umfassende Klassik-Weblog mit Beitraegen aus dem musikalischen Alltag der Musikkritiker von klassik.com. Viel Spass beim Lesen!</description>
	<language>de</language>
	
	<item>
		<title>Auch der Sohn konnte komponieren (09.03.2010)</title>
		<link>http://magazin.klassik.com/autoren/blog.cfm?PostID=140&amp;USID=4743</link>
		<author>Midou Grossmann</author>
		<description>&lt;p&gt;&lt;span style=&quot;font-size: 10pt&quot;&gt;Zu einer lohnenswerten Entdeckung f&amp;uuml;r alle Kassik- und Wagnerfans k&amp;ouml;nnten sicherlich die Liedkompositionen von Siegfried Wagner werden, die nun bei Marco Polo erschienen sind. Der unerm&amp;uuml;dliche Peter P. Pachl, bekannt f&amp;uuml;r sein enormes Engagement f&amp;uuml;r das Werk &apos;des Sohnes&amp;rsquo;, hat, in Zusammenarbeit mit dem Bezirk Unterfranken und der Internationalen Siegfried Wagner Gesellschaft, nun (nach den Opern) auch dessen Liedschaffen dokumentiert. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;div&gt;&lt;span style=&quot;font-size: 10pt&quot;&gt;Ein scherzhaftes Pendant zu Richard Wagners &lt;i&gt;Siegfried-Idyll&lt;/i&gt; erlebte zu Weihnachten 1918 seine Urauff&amp;uuml;hrung als &lt;i&gt;Wahnfried-Idyll&lt;/i&gt;. Gewidmet ist es dem Goldschniggala (Winifred) und es erz&amp;auml;hlt vom Kinderm&amp;auml;dchen Emma B&amp;auml;r, von Tata Efe (Siegfrieds Schwester Eva) und den beiden &amp;auml;ltesten Kindern Wieland (Huschele) und Friedelind (Maus). Siegfried Wagners feiner Humor ist auch im M&amp;auml;rchen von dem dicken, fetten Pfannkuchen zu kennen; alle 15 Lieder zeugen von einer&amp;nbsp;beeindruckenden Meisterschaft des Komponisten, der auch&amp;nbsp;einige Liedtexte selbst verfasst hat. Siegfried Wagner zeigt in seinen Liedern viel Gef&amp;uuml;hl f&amp;uuml;r die M&amp;ouml;glichkeiten der menschlichen Stimme, zudem klingt die Klavierbegleitung stilsicher und facettenreich. Der Sopranistin Rebecca Broberg gelingt es alle Stimmungsnuancen mit ihrem dunklen Timbre &amp;uuml;berzeugend zu gestalten, begleitet wird sie am Fl&amp;uuml;gel von Hans-Martin Gr&amp;auml;bner, der es hervorragend versteht den Humor, die Melancholie, die Romantik oder das m&amp;auml;rchenhaft Fantastische zu Geh&amp;ouml;r zu bringen. Siegfried Wagner war ein Hochbegabter, der diese Begabungen der &amp;sbquo;Firma Bayreuth&amp;rsquo; untergeordnet hat,&amp;nbsp;nun ist es an der Zeit, dass sein Bild als eigenst&amp;auml;ndiger K&amp;uuml;nstler intensiv beleuchtet wird.&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;</description>
	</item>
	
	<item>
		<title>OWV 77-101 (27.02.2010)</title>
		<link>http://magazin.klassik.com/autoren/blog.cfm?PostID=139&amp;USID=52283</link>
		<author>Aron Sayed</author>
		<description>&lt;p&gt;77. Michael Giacchino. Main Theme aus &amp;acute;Star Trek&amp;acute; (2009), Horn!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;78. Oboen-Thema aus dem Adagio von Niels Wilhelm Gades Sinfonie Nr. 1&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;79. Carl Nielsen. Scherzo aus dem g-Moll Streichquartett.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;80. Dale Shaker. &amp;acute;Saber Rider and the Star Sheriffs&amp;acute;, Titelsong zur gleichnamigen&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zeichentrickserie.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;81. Howard Shore. &amp;acute;Love will find a way out&amp;acute;, Titelsong aus David Cronenbergs &amp;acute;Spider&amp;acute;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;82. Anton Bruckner. Kopfsatz-Coda aus der Neunten Sinfonie.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;83. The Beach Boys. &amp;acute;All This is That&amp;acute;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;84. Gy&amp;ouml;rgy Ligeti. Beginn des Presto-Abschnitts im ersten Satz des ersten Streichquartetts &amp;acute;N&amp;auml;chtliche Metamorphosen&amp;acute;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;85. Alabama 3. &amp;acute;Woke up&amp;acute;, Titelsong aus der Mafiaserie &amp;acute;The Sopranos&amp;acute;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;86. Brahms. Scherzo es-Moll op. 4 f&amp;uuml;r Klavier.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;87. Yasuaki Fujita. Titel-Thema aus &amp;acute;Mega Man 3&amp;acute; (NES).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;88. Richard Strauss. &amp;acute;Im Abendrot&amp;acute;, Orchestervorspiel.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;89. Howard Shore. &amp;acute;The white tree&amp;acute; bzw. &amp;acute;The Lightning of the Beacons&amp;acute;  aus &amp;acute;The Lord&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;of the Rings: The Return of the King&amp;acute;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;90. Brahms-Chorlied &amp;acute;Ich schwing mein Horn ins Jammertal&amp;acute;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;91. Koji Kondo. Level-Musik 1-1 aus &amp;acute;Super Mario Bros 2&amp;acute; (NES).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;92. Ottorino Respighi. &amp;acute;Der Traum des Salomon&amp;acute; aus &amp;acute;Belkis, K&amp;ouml;nigin von Saba&amp;acute;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;93. Lee Majors. &amp;acute;The unknown Stuntman&amp;acute;, Titelsong aus der Serie &amp;acute;The Fall Guy&amp;acute; (Ein&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Colt f&amp;uuml;r alle F&amp;auml;lle).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;94. Jean-Fery Rebel. Chaconne aus &amp;acute;Les &amp;Eacute;l&amp;eacute;ments&amp;acute;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;95. Antonio Vivaldi. Presto aus dem Sommer der &amp;acute;Vier Jahreszeiten&amp;acute;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;96. Masato Nakamura. &amp;acute;Green Hill Zone&amp;acute; aus &amp;acute;Sonic the Hedgehog&amp;acute; (Mega Drive).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;97. Antonin Dvorak. Beginn der &amp;acute;Karnevalsouvert&amp;uuml;re&amp;acute; op. 92.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;98. David Bowie. &amp;acute;Let&amp;acute; s dance&amp;acute;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;99. Kopfsatz-Hauptthema aus dem Violinkonzert von Dvorak.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;100. Christopher Young. Violinsolo im Main Title zu Sam Raimis &amp;acute;Drag me to&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Hell.&amp;acute;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;101. Koji Kondo. &amp;acute;The Legend of Zelda - A Link to the past&amp;acute;, Oberwelt-Thema (SNES).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&quot;http://en.wikipedia.org/wiki/Masato_Nakamura&quot; title=&quot;Masato Nakamura&quot;&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h1&gt;&amp;nbsp;&lt;/h1&gt;</description>
	</item>
	
	<item>
		<title>Ein Geburtstagskonzert f&#xfc;r Lev Natochenny (09.02.2010)</title>
		<link>http://magazin.klassik.com/autoren/blog.cfm?PostID=138&amp;USID=4743</link>
		<author>Midou Grossmann</author>
		<description>&lt;p&gt;Martin Stadtfeld bezeichnet sein Zusammentreffen mit Lev Natochenny vor 15 Jahren als den gr&amp;ouml;&amp;szlig;ten Gl&amp;uuml;cksfall seines Lebens. Am Sonntag feierten er, Nami Ejiri, Dirk Mommertz und Eugene Choi ihren Lehrmeister im Mozart Saal der Alten Oper Frankfurt mit einem imposanten Klaviernachmittag. Viele Freunde des Professors von der Musikhochschule waren gekommen, um dem au&amp;szlig;ergew&amp;ouml;hnlichen Klavierp&amp;auml;dagogen zu gratulieren. &amp;bdquo;Lev gibt all seinen Sch&amp;uuml;lern viel Zeit, Kraft und Leidenschaft&amp;ldquo;, so Stadtfeld. &amp;bdquo;Er versteht es, in jedem von uns die eigene Pers&amp;ouml;nlichkeit zu erkennen und diese mit viel Geschick auf den k&amp;uuml;nstlerisch richtigen Weg zu bringen.&amp;nbsp;So gibt es eigentlich keinen typischen Natochenny-Stil in unserem Klavierspiel, sondern er hilft uns vielmehr&amp;nbsp;die ganz pers&amp;ouml;nliche&amp;nbsp;k&amp;uuml;nstlerische Identit&amp;auml;t zu entdecken und zu entwickeln.&lt;/p&gt;
&lt;div&gt;&lt;span&gt;Auftakt bildete der erste Satz des dritten Brandenburgischen Konzerts mit Stadtfeld, Choi, Mommertz und Ejiri an zwei Fl&amp;uuml;geln; ein Feuerwerk aus T&amp;ouml;nen, mit brillanter Abstimmung und einer beeindruckenden Leichtigkeit musiziert. Es folgten Werke von Schubert, Schostakowitsch, Rachmaninoff und Lutoslawski. Selbst die zwei letzten S&amp;auml;tze aus Schuberts Forellenquintett wurden grandios auf dem Klavier zelebriert. Als beeindruckender Schlusspunkt dann das Trio Nr. 2 e-Moll von Schostakowitsch mit Meister Natochenny am Fl&amp;uuml;gel, welch eine Tiefe und Pr&amp;auml;senz zeigte sein Spiel. Begleitet wurde er&amp;nbsp;hochvirtuos von&amp;nbsp;Priya Mitchell (Violine) und Andrei Tchekmazov (Chello), ein bewegender Abschluss f&amp;uuml;r ein grandioses Konzert!&amp;nbsp;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;&amp;nbsp;&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;&lt;span&gt;Der eigentliche Geburtstag&amp;nbsp;am 27.2.&amp;nbsp;wurde schon in der Frankfurter Musikhochschule&amp;nbsp;musikalisch gefeiert. Lev Natochennys Sch&amp;uuml;ler Valentin Fheodoroff spielte die &amp;sbquo;Diabelli-Variationen&amp;rsquo;. Fast unglaublich das Talent und die k&amp;uuml;nstlerische Reife des erst 16-J&amp;auml;hrigen Sch&amp;uuml;lers aus Wien. Mit traumwandlerischer Sicherheit gestaltete Valentin Fheodoroff dieses gewaltige Musikst&amp;uuml;ck atemberaubend spannend und neu, er pr&amp;auml;sentierte eine enorm farbenreiche sowie dynamisch fein abgestimmte Interpretation, die dem Zuh&amp;ouml;rer eine h&amp;ouml;chst interessante Klangreise bescherte. Als Zugabe spielte er Franz Liszts &amp;sbquo;B&amp;eacute;n&amp;eacute;diction de dieu dans la solitude&amp;rsquo; aus den &amp;sbquo;Harmonies po&amp;eacute;tique et r&amp;eacute;ligieuses&amp;rsquo;, er&amp;nbsp;blieb dem Titel des Werks nichts schuldig. Ganz nat&amp;uuml;rlich kreierte f&amp;uuml;r den Moment einen and&amp;auml;chtig schwingenden Kosmos in den Raum. &lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;div&gt;&amp;nbsp;&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;</description>
	</item>
	
	<item>
		<title>OWV 54-76 (09.02.2010)</title>
		<link>http://magazin.klassik.com/autoren/blog.cfm?PostID=137&amp;USID=52283</link>
		<author>Aron Sayed</author>
		<description>&lt;p&gt;55. Die meisten Beatles-Songs.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;56. &amp;acute;The trees on the mountains&amp;acute;&amp;nbsp; aus &amp;acute;Susannah&amp;acute; von Carlisle Floyd.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;57. Walzerthema aus dem Kopfsatz der Vierten von Tschaikowski.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;58. Melodie der Solovioline in &amp;acute;Beim Schlafengehen&amp;acute; von Richard Strauss.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;59. Beginn des &amp;acute;Stabat Mater&amp;acute; von Pergolesi.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;60. Durchf&amp;uuml;hrungsklimax im ersten Allegro des c-Moll Streichquartetts op. 51 Nr. 1 von Brahms. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;61. Allemande aus J. S. Bachs c-Moll Partita BWV 826. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;62. Oboenmelodie im Andante von Norbert Burgm&amp;uuml;llers Sinfonie Nr. 2 D-Dur op. 11.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;63. Trio im dritten Satz von Mahlers Neunter: Trompetensignal.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;64. Franz Schubert: Andantino-Thema aus der A-Dur Klaviersonate DV. 959.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;65. Nochmal Schubert: &amp;acute;Das Wandern ist des M&amp;uuml;llers Lust&amp;acute;. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;66. Wieder: Zweites Thema im ersten Satz der Ersten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;67. Und wieder: Andante con moto aus Schuberts Klaviertrio Nr. 2 Es-Dur DV. 929 (Barry Lindon). &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;68. St&amp;auml;ndchen: &amp;acute;Leise flehen meine Lieder&amp;acute; aus &amp;acute;Schwanengesang&amp;acute; DV. 957.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;69. Beginn von Vivaldis Alt-Motette&amp;acute;Vos Invito&amp;acute;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;70. &amp;acute;Tr&amp;auml;nensee&amp;acute;-Klang aus Bartoks Oper &amp;acute;Blaubarts Burg&amp;acute; (Streicher und Harfe).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;71. Heiteres Plapperthema aus dem Finale von Mozarts G-Dur Klavierkonzert KV 453. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;72. &amp;acute;Dreaming of the queen&amp;acute; von den Pet Shop Boys.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;73. Beginn von Josep Joachim Raffs Sinfonie Nr. 9 &amp;acute;Im Sommer&amp;acute;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;74. &amp;acute;Invasions&amp;acute;-Thema aus dem Kopfsatz von Schostakowitschs Siebter, der &amp;acute;Leningrader&amp;acute;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;75. Titelsong &amp;acute;Ponyo&amp;acute; aus Hayao Miyazakis gleichnamigen Film.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;76. Basso-Continuo aus dem Duett &amp;acute;Wir jauchzen und eilen mit schwachen, doch emsigen Schritten&amp;acute; in J.S. Bachs Kantate &amp;acute;Jesu, der du meine Seele&amp;acute; BWV 78.&lt;/p&gt;</description>
	</item>
	
	<item>
		<title>Bach und Beethoven, tiefgr&#xfc;ndig und ber&#xfc;hrend (18.01.2010)</title>
		<link>http://magazin.klassik.com/autoren/blog.cfm?PostID=136&amp;USID=4743</link>
		<author>Midou Grossmann</author>
		<description>&lt;p&gt;&amp;quot;Und Bach ist wie Luther, seht nur den Gleichmut, mit welchem er die k&amp;uuml;hnsten gewagtesten Sachen schreibt!&amp;ldquo; Diese Worte Richard Wagners, auch ein Leipziger, k&amp;ouml;nnten ebenso f&amp;uuml;r seine eigene Musik gelten. Doch bleiben wir bei Bach und Leipzig. Riccardo Chailly, Chef des Gewandhausorchesters seit 2005, hat an die alte Tradition der fr&amp;uuml;heren Musikdirektoren angekn&amp;uuml;pft und treibt wieder eine intensive Bachpflege. Allein in diesem Jahr erscheinen drei neue CDs: &lt;i&gt;Brandenburgische Konzerte&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;Matth&amp;auml;us-Passion&lt;/i&gt;, dann zum Jahresende das &lt;i&gt;Weihnachtsoratorium&lt;/i&gt;. &amp;sbquo;Die Zeit ist reif&amp;rsquo; schrieb die Leipziger Volkszeitung, als am 7. und 8. Januar diesen Jahres das Werk zum ersten Mal wieder seit 1861 im Gewandhaus zu erleben war. Damit ist Riccardo Chailly - nach Carl Reinicke &amp;ndash; erst der zweite Gewandhauskapellmeister, der das gewaltige Werk in das Konzerthaus geholt hat. Das Weihnachtsoratorium als Ganzes aufzuf&amp;uuml;hren bedeutet f&amp;uuml;r Maestro Chailly, auch wegen den religi&amp;ouml;sen und spirituellen Aspekten des einzigartigen Werks, eine tiefe pers&amp;ouml;nliche Erfahrung und Bereicherung. W&amp;auml;hrend der Weihnachtszeit war er mit dem Dresdner Kammerchor, der jetzt auch im Gewandhaus mit ihm musizierte, sowie dem Z&amp;uuml;richer Originalklangensemble &lt;i&gt;La Scintilla&lt;/i&gt; in Bethlehem und Jerusalem. Dort hat er Bachs sechs Kantaten quasi vor Ort aufgef&amp;uuml;hrt und bezeichnet diese Tage als ein Ereignis, das er nie vergessen wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Durchsichtiger Klang voller Licht und Facetten&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Strahlend, durchsichtig und facettenreich, wie ein prachtvoll geschliffener Edelstein, klingt seine Interpretation des Weihnachtsoratoriums. Chailly dringt zum spirituellen Kern des Werks vor, es gelingt ihm eine bezwingende geistige Dimension zu kreieren. Er setzt die sechs Kantaten auf einen gro&amp;szlig;en Bogen, der spannungsm&amp;auml;&amp;szlig;ig bis zum Schluss tr&amp;auml;gt. Die musikalische Struktur wirkt&amp;nbsp;opernhaft, das dramaturgische Konzept basiert auf einer spirituellen und pers&amp;ouml;nlichen Vision, und das ist Voraussetzung f&amp;uuml;r jede musikalische Arbeit. &amp;nbsp;&amp;bdquo;Man muss die H&amp;ouml;hepunkte erkennen k&amp;ouml;nnen, wie die spektakul&amp;auml;re, ganz nach innen gerichtete Altarie &amp;sbquo;&lt;i&gt;Schlie&amp;szlig;e mein Herze&amp;rsquo;&lt;/i&gt;, die &amp;nbsp;voller Tiefe und St&amp;auml;rke ist. Zudem hilft die wunderbare Akustik im Gewandhaus seiner differenzierten Wiedergabe, der hallige Klang so mancher Kirchen ist nicht unbedingt w&amp;uuml;nschenswert.&amp;ldquo; &lt;/P&gt;
&lt;p&gt;Dem Gro&amp;szlig;teil des Publikums gefiel Chaillys Sichtweise, wenn auch einige Bachkenner anfangs irritiert wirkten und teilweise in der Pause sogar den Konzertsaal verlassen haben. Das gilt auch f&amp;uuml;r seine Interpretation der Beethovensinfonien. Nach der Auff&amp;uuml;hrung der &lt;i&gt;Pastorale&lt;/i&gt; blieben die Zuschauer lange still, sprachlos, der Applaus setzte erst z&amp;ouml;gernd ein. Doch die Leipziger sp&amp;uuml;rten, dass der Dirigent nicht auf Effekt bedacht war, als er das Werk so anders dirigierte, wie man es gewohnt war, sondern, dass hinter Chaillys Auffassung eine ernsthafte Auseinandersetzung stand. &amp;bdquo;So etwas bedeutet nat&amp;uuml;rlich ein Risiko&amp;ldquo;, erkl&amp;auml;rt der Maestro, &amp;bdquo; aber ich freue mich auch, dass das Orchester diesen Weg mit mir gegangen ist, das war nicht einfach. Drei Jahre haben wir gebraucht, um eine neue Phrasierung und Struktur aufzubauen, alle Stimmen &amp;auml;ndern sich letztendlich. Nun haben wir einen Beethoven-Zyklus, mit dem wir n&amp;auml;chstes Jahr auf Tournee gehen werden, nach London, Paris und Wien. Die f&amp;uuml;nf Konzerte, mit den neun Sinfonien, werden jeweils mit einer zeitgen&amp;ouml;ssischen Komposition erg&amp;auml;nzt, die wir in Auftrag gegeben haben. F&amp;uuml;nf Komponisten aus f&amp;uuml;nf verschiedenen L&amp;auml;ndern werden je ein St&amp;uuml;ck komponieren, mit Anlehnung an Beethoven.&amp;ldquo;&lt;/P&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Internationale Mendelssohn- und Mahlerfesttage&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Internationale Pr&amp;auml;senz wird zuk&amp;uuml;nftig vermehrt in Leipzig anzutreffen sein, auch w&amp;auml;hrend der Mendelssohn-Festtage 2010 sowie w&amp;auml;hrend des Mahler-Festivals, zum 100. Geburtstag des Komponisten im Mai 2011. Die gesamten Mahlersinfonien werden aufgef&amp;uuml;hrt, neben dem Gewandhausorchester musizieren folgende Orchester: S&amp;auml;chsische Staatskapelle Dresden, Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Concertgebouw Orchestra Amsterdam, London Symphony Orchestra, New York Philharmonic, Tonhalle Orchester Z&amp;uuml;rich, MDR Sinfonieorchester, Wiener Philharmoniker sowie das Mahler Chamber Orchestra. Die Mendelssohn-Festtage vom 19. August bis 10. September 2010 wurden auch Robert Schumann gewidmet. Ein ungemein reizvolles Programm mit Lieder- und Soloabenden, Kammermusik bis hin zum Gro&amp;szlig;en Konzert ist f&amp;uuml;r diese Zeit geplant. Nat&amp;uuml;rlich hofft man so auch Publikum aus dem Ausland in die Stadt zu holen, aber im Vordergrund steht immer der Wunsch, das Konzertleben so lebendig wie m&amp;ouml;glich zu gestalten. &lt;/P&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Leipzig ist fast zu Hause&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&amp;uuml;r den 19. Gewandhauskapellmeister Riccardo Chailly ist Leipzig eine weltoffene Metropole, in der er sich sehr wohl f&amp;uuml;hlt. Italienisches Flair liege dort in der Luft, erkl&amp;auml;rt er und findet, dass interessante Menschen mit gro&amp;szlig;er Gastfreundlichkeit das Image der alten Musik- und&amp;nbsp;Handelsmetropole pr&amp;auml;gen. Dass alles komme ihm sehr entgegen, zudem inspiriert ihn die lange Tradition des Orchesters mit all seinen namhaften Vorg&amp;auml;nger. Als besonders pr&amp;auml;gend f&amp;uuml;r das Orchester bezeichnet er nat&amp;uuml;rlich Felix Mendessohn, aber auch Arthur Nikisch und Herbert Bloomstedt. &amp;bdquo;Arthur Nikisch war eine zentrale Figur, auch ein mutiger Interpret, so hat er sich f&amp;uuml;r die damalige neue Musik intensiv eingesetzt und viele Weltpremieren fanden in Leipzig statt, wie 1887 Wagners Ringzyklus&amp;nbsp;oder erste Auff&amp;uuml;hrungen der Brucknersinfonien.&amp;ldquo; Von Bloomstedt hat Chailly die alte deutsche Sitzordnung &amp;uuml;bernommen, danach sitzen die Kontrab&amp;auml;sse links vom Dirigenten und die e&lt;span&gt;rste und zweite Violinen werden dabei links und rechts von ihm platziert, was sicherlich dazu beitr&amp;auml;gt, den dunklen Klang und die Durchsichtigkeit des Orchesterspiels zu erhalten . &amp;bdquo;Auch in gro&amp;szlig;er Besetzung k&amp;ouml;nnen wir somit den Klang immer transparent und vielschichtig gestalten.&amp;ldquo; Nach erfolgreichen Gastspielen, wie k&amp;uuml;rzlich in London, geht das Orchester im Februar auf eine ausgedehnte Konzertreise in die USA, an die Ost- sowie Westk&amp;uuml;ste. &lt;/P&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Dirigieren bedeutet Balance zwischen Kopf und Herz &lt;/b&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sein Deb&amp;uuml;t gab Riccardo Chailly 1970 in Mailand, doch auch nach 40 Jahren am Pult gibt es f&amp;uuml;r ihn keine Routine: &amp;bdquo;Der &amp;sbquo;automatische Pilot&amp;rsquo; wird bei mir nie eingeschaltet. Musik muss jeden Tag wieder ein neues Wunder sein. Das bedeutet eine gro&amp;szlig;e Verantwortung f&amp;uuml;r alle, die Balance zwischen Kopf und Herz muss immer neu entdeckt werden. Ich mag keine Routine. Die Noten bringen immer wieder neue Entdeckungen, dass wussten alle gro&amp;szlig;en Komponisten. Meister Harnoncourt war f&amp;uuml;r mich ein echter Lehrer, weil er immer gegen Routine und Automatismus gek&amp;auml;mpft hat. Das Publikum sp&amp;uuml;rt so etwas, dann zeigt es auch Willigkeit f&amp;uuml;r neue Interpretationen. Mein Weg zu Beethoven war ein total anderer, aber das Publikum ist mir gefolgt, es war zwar &amp;uuml;berrascht und auch vielleicht ein bisschen schockiert. Doch dann hat es meine Sicht angenommen. Immer nur auf Tradition zu setzen kann auch sch&amp;auml;dlich sein.&amp;ldquo;&lt;/P&gt;
&lt;p&gt;In der Tat, Alt und Neu harmonisch einzusetzen ist eine wichtige Herausforderung f&amp;uuml;r die aktuelle Klassikszene. In der Vergangenheit wurden enorm viele und wichtige Vorgaben gegeben, die heute mit den modernen Techniken noch tiefgehender umgesetzt werden k&amp;ouml;nnen, die Zeit der Entdeckungen ist noch lange nicht zu Ende. In der Musik k&amp;ouml;nnen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft im Idealfall zu einer lebendigen Symbiose werden, die Zeit und Raum &amp;uuml;berwinden kann.&lt;/P&gt;</description>
	</item>
	
	<item>
		<title>Theater ist Leidenschaft und Verantwortung (23.12.2009)</title>
		<link>http://magazin.klassik.com/autoren/blog.cfm?PostID=135&amp;USID=4743</link>
		<author>Midou Grossmann</author>
		<description>&lt;p&gt;Am 31. Oktober 1853 wurde das Theater der Stadt Heidelberg mit einer Auff&amp;uuml;hrung von Friedrich Schillers &amp;sbquo;Die Braut von Messina&amp;rsquo; er&amp;ouml;ffnet. Es gibt &amp;auml;ltere und gr&amp;ouml;&amp;szlig;ere H&amp;auml;user in unserem Land, dennoch hat sich das Heidelberger Theater mit seinen nur 619 Sitzpl&amp;auml;tzen eine Spitzenposition in der deutschen Theaterlandschaft erobert. Die Stadt hat 140.000 Einwohner, doch 177.000 Menschen besuchten das Haus in der letzten Spielzeit. Intendant Peter Spuhler und sein Team arbeiten vielschichtig kreativ und vision&amp;auml;r, beweisen damit, dass man auch mit einem kleinen Jahresbudget (17,4 Millionen Euro) &amp;uuml;berregional erfolgreich sein kann, wenn man f&amp;uuml;r die Kunst &amp;sbquo;brennt&amp;rsquo;. F&amp;uuml;r Peter Spuhler ist es enorm wichtig, dass in der Programmplanung ein gro&amp;szlig;er thematischer Bogen zu erkennen ist, er m&amp;ouml;chte das 21/2-Spartenhaus (die Tanztheater-Sparte wird seit 2004 als Kooperation mit dem Theater Freiburg gef&amp;uuml;hrt) auf keinen Fall als eine Art Gemischtwarenladen f&amp;uuml;hren. Jede Spielzeit in Heidelberg l&amp;auml;uft unter einem besonderen Motto, aktuell&amp;nbsp;hat man &amp;sbquo;Sehnsucht&amp;rsquo; gew&amp;auml;hlt. Das macht neugierig in einer so jungen und intellektuell gepr&amp;auml;gten Universit&amp;auml;tsstadt wie Heidelberg, doch dahinter steht ein gut durchdachtes Konzept. Die k&amp;uuml;nstlerische Leitung agiert nicht willk&amp;uuml;rlich, in intensiven Diskussionen sucht das Team nach einem aktuellen Thema, das sich zudem auch im Zeitgeist finden l&amp;auml;sst; pers&amp;ouml;nliche W&amp;uuml;nsche der einzelnen Abteilungen stehen da erst einmal hinten an. Der Intendant w&amp;uuml;nscht f&amp;uuml;r jede Spielzeit eine starke inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Motto, das nicht leichtfertig&amp;nbsp;umgesetzt werden sollte und&amp;nbsp;k&amp;uuml;nstlerisch hochwertig auf der B&amp;uuml;hne zu erleben sein muss. Auf die Frage, wie man k&amp;uuml;nstlerische Qualit&amp;auml;t erkennen kann, erkl&amp;auml;rt Peter Spuhler: &amp;bdquo; Zu allererst muss das Handwerk auf hohem Niveau sein, die inhaltliche Auseinandersetzung sollte von Ernsthaftigkeit gepr&amp;auml;gt sein, der Mut zur Risikobereitschaft darf nicht fehlen, ebenso auch das Vision&amp;auml;re nicht. Zudem arbeite ich gerne mit begabten jungen K&amp;uuml;nstlern, begleite ihren Weg eine Zeitlang bis (lacht), sie f&amp;uuml;r Heidelberg zu teuer werden.&amp;ldquo;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Kinder- und Jugendarbeit stehen seit Jahren im Mittelpunkt. Schon in T&amp;uuml;bingen war das ein enorm wichtiges Anliegen f&amp;uuml;r den Intendanten. &amp;bdquo;Wenn die Menschen erst als Heranwachsende ins Theater kommen, hat man sie eigentlich schon verloren. Die Basis muss im Kindesalter gelegt werden. Unsere j&amp;uuml;ngsten Zuschauer sind zwischen 2-5 Jahren, die musikalischen Elemente, mit denen wir sie konfrontieren, balancieren das Gehirn aus. Darstellendes Spielen sollte generell ein Unterrichtsfach werden. Seit ich in Heidelberg bin, wurde das p&amp;auml;dagogische Team fast verdoppelt. Klassische Musik und Oper ben&amp;ouml;tigen dringend junge Leute, um die &amp;Uuml;beralterung des Publikums aufzuhalten. Zudem ist das Musiktheater unsere sch&amp;ouml;nste Kunstform, weil sie alle anderen K&amp;uuml;nste perfekt in sich vereint. Da sollte man von klein auf teilnehmen, Musik besitzt obendrein noch eine besondere Energie, die absolut lebensbejahend sein kann.&amp;ldquo; &amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Spuhler ist offen f&amp;uuml;r viele Varianten des Regietheaters und sieht keinen Grund, irgendeinen Aspekt generell auszuschlie&amp;szlig;en, wenn die Arbeit ernsthaft durchdacht und handwerklich gut gemacht ist. Da w&amp;auml;re ein Rocksong inmitten einer Barockoper zu nennen oder auch eine Textbeigabe, die nicht ins Libretto geh&amp;ouml;rt. Begeistert erz&amp;auml;hlt er von einem &amp;sbquo;Rigoletto&amp;rsquo; in einem kleinen Haus, nur mit Klavier und Streicherensemble aufgef&amp;uuml;hrt, die Ouvert&amp;uuml;re erklingt aus einem Radio, das auf der&amp;nbsp;B&amp;uuml;hne platziert ist. &amp;bdquo;So etwas kann durchaus charmant sein, doch wir haben auch die Verpflichtung der Tradition Raum zu geben.&amp;ldquo; Tradition muss er dann intensiv in Karlsruhe ber&amp;uuml;cksichtigen, &amp;uuml;bernimmt Spuhler doch das Badische Staatstheater ab der Spielzeit 2011/2012: &amp;bdquo;Das ist eine ganz gro&amp;szlig;e Ehre und Aufgabe. Ich habe ungeheuren Respekt vor dem Staatstheater in Karlsruhe&amp;ldquo;, sagt Spuhler. Das Haus sei in einem au&amp;szlig;erordentlich guten Zustand. Doch eine eigenst&amp;auml;ndige &amp;sbquo;Junge Oper&amp;rsquo; h&amp;auml;tte er vor dem Wechsel gerne noch in Heidelberg aufgebaut, aber das wird dann auch ein ganz wichtiges Thema in Karlsruhe sein, es gibt dort Nachholbedarf im Bereich Kinder- und Jugendtheater.&amp;nbsp;Spuhler plant sogar eigene Werke f&amp;uuml;r Kinder in Auftrag zu geben, in denen diese auch s&amp;auml;ngerisch beteiligt sein werden. So etwas wird demn&amp;auml;chst in Heidelberg ausprobiert mit der Britten-Oper &amp;sbquo;Noahs Flut&amp;rsquo;. &amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit gro&amp;szlig;em Bedauern l&amp;auml;sst man in Heidelberg diesen innovativen Theatermann ziehen, er wird nicht mehr in der Stadt sein, wenn das Haus nach seiner Sanierung 2012 neu er&amp;ouml;ffnet&amp;nbsp;wird. Im Sommer 2006 traf ein absoluter Supergau das Haus. Wegen erheblicher baulicher und Sicherheitsm&amp;auml;ngel stand es pl&amp;ouml;tzlich vor der Schlie&amp;szlig;ung. Schon ein Jahr sp&amp;auml;ter hatte man durch private Spender vier Millionen Euro gesammelt. Ein Heidelberger Unternehmer, der zudem auch aktiv in einem Kammermusiktrio des Hauses spielt, spendete allein eine Million Euro. Die Sanierung k&amp;ouml;nnte auch als gl&amp;uuml;ckliche F&amp;uuml;gung bezeichnet werden, denn die Planung sieht den Bau eines modernen Saals vor, zugleich bleibt der historische Saal erhalten. In der Zwischenzeit spielt man in einem Opernzelt au&amp;szlig;erhalb des Altstadtkerns, die gesamte Verwaltung ist gleich mit umgezogen, und die Zuschauer akzeptieren diese Spielst&amp;auml;tte sehr gut. Der Werbeslogan &amp;sbquo;Heidelberg ist wie Sekt&amp;rsquo; und andere originelle Marketingma&amp;szlig;nahmen locken weiterhin ausw&amp;auml;rtige Besucher in die Stadt. Auch das Barockfest &amp;sbquo;Winter in Schwetzingen&amp;rsquo;, unter der K&amp;uuml;nstlerischen Leitung von Bernd Feuchtner, gl&amp;auml;nzt &amp;uuml;berregional. K&amp;uuml;rzlich machte es zwar zwiesp&amp;auml;ltige Schlagzeilen mit der Ausgrabung der Giuseppe Porsile Oper &amp;sbquo;Spartakus&amp;rsquo;. Die Premiere am 6.12., in der Regie von Michael von zur M&amp;uuml;hlen, der zu den &amp;sbquo;Jungen Wilden&amp;rsquo; geh&amp;ouml;rt, wurde zu einem kontroversen Diskussionsthema f&amp;uuml;r viele Besucher.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Programm der letzten Spielzeit pr&amp;auml;sentiert sich als dickes Buch, das sich spannender und vielf&amp;auml;ltiger liest, als so mancher Luxusdruck der etablierten gro&amp;szlig;en H&amp;auml;user, weil eben ein absoluter k&amp;uuml;nstlerischer Wille hinter dem Gedruckten zu sp&amp;uuml;ren ist. Die Anzahl aller Veranstaltungen (inkl. Konzert und Kinder- und Jugendtheater) bel&amp;auml;uft sich die unglaubliche Zahl von &amp;uuml;ber 1000 Veranstaltungen in der letzten Spielzeit. Die Vielf&amp;auml;ltigkeit wird noch erg&amp;auml;nzt durch die j&amp;auml;hrlichen Schlossfestspiele im Sommer, die ebenfalls vom Theater geplant werden. Kleinere Spielorte stehen mit dem Werkraumtheater sowie dem Kinder- und Jugendtheater und der Probeb&amp;uuml;hne zur Verf&amp;uuml;gung, f&amp;uuml;r die Konzerte wird zudem noch die Heidelberger Stadthalle benutzt. Eine wichtige neue Sparte ist das Projekt &amp;sbquo;Theater f&amp;uuml;r Blinde&amp;rsquo;, so etwas wird zwar schon an einigen wenigen Theatern in Deutschland angeboten, doch im Bereich der Oper ist Heidelberg hier Vorreiter und wurde daf&amp;uuml;r auch als &amp;sbquo;Ort im Land der Ideen&amp;rsquo; vom Bundespr&amp;auml;sidenten ausgezeichnet. Mit Hilfe von Audiodeskriptionen werden u.a. Vorg&amp;auml;nge auf der B&amp;uuml;hne beschrieben und so auch vermittelt. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Konzept des Hauses wird au&amp;szlig;ergew&amp;ouml;hnlich gut in der &amp;Ouml;ffentlichkeit publiziert. Ob in der Theaterzeitung, in Facebook oder in regelm&amp;auml;&amp;szlig;igen Mailings, die Marketingabteilung scheint &amp;uuml;berall pr&amp;auml;sent zu sein. Mal sehen, wie es nach dem Weggang der &apos;Lokomotive Spuhler&amp;rsquo; dann in Heidelberg weitergehen wird. Ein Nachfolger wurde k&amp;uuml;rzlich ernannt, der Intendant des Osnabr&amp;uuml;cker Theaters, Holger Schultze, wird ab der Spielzeit 2011/2012 neuer Intendant des Theaters und Philharmonischen Orchesters der Stadt Heidelberg.&lt;/p&gt;</description>
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		<title>Leipzig boomt (01.12.2009)</title>
		<link>http://magazin.klassik.com/autoren/blog.cfm?PostID=134&amp;USID=4743</link>
		<author>Midou Grossmann</author>
		<description>&lt;p&gt;Eigentlich hatte ich mich auf ein ruhiges Wochenende in Leipzig gefreut, doch in der Stadt gab es fast kein Durchkommen. Dass die Leipziger gerne gut essen, feiern und Musik lieben, ist bekannt, doch dass die Stadt im Advent bundesweit Reiseziel Nr. 1 zu sein scheint, war mir nicht bewusst. Alle Innenstadthotels meldeten &amp;sbquo;ausgebucht&amp;rsquo;, die Parkpl&amp;auml;tze quollen &amp;uuml;ber, auch die Z&amp;uuml;ge transportierten massenhaft Besucher in die Stadt. Dabei gibt es ihn eigentlich nicht, den Leipziger Weihnachtsmarkt, da die ganze Innenstadt ein&amp;nbsp;solcher zu sein scheint. Auf alle Pl&amp;auml;tzen stehen glitzernde Buden und leuchtende Christb&amp;auml;ume. Selbst der Bahnhof begr&amp;uuml;&amp;szlig;t den Reisenden mit meterhohen Lichtkaskaden und einem gigantischen Einkaufszentrum, hinter dem der Zugverkehr nur noch schemenhaft wahrgenommen wird. Doch inmitten des Trubels demonstrieren auch die Studenten vor dem Bahnhof und riefen zum &amp;sbquo;Kauf-Nix-Tag&amp;rsquo; auf. Der 28.11.&amp;nbsp;ist wohl&amp;nbsp;internationaler Aktionstag f&amp;uuml;r bewusstes Konsumverhalten, selbst Stadtf&amp;uuml;hrungen zu den Themen &amp;sbquo;Nachhaltiger Konsum und Globalisierung&amp;rsquo;&amp;nbsp;wurden angeboten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nat&amp;uuml;rlich war auch die Musik &amp;uuml;berall pr&amp;auml;sent. So dirigierte Helmut Rilling Bachs Weihnachtsoratorium in der Thomaskirche. Maestro Chailly pr&amp;auml;sentierte Beethoven mit dem Gewandhausorchester; eine interessante Angelegenheit, den Mittelpunkt bildete Beethovens Pastorale. Chaillys Ansatz war ziemlich ungewohnt, ohne Pathos und Dramatik flossen die T&amp;ouml;ne sanft durch den Raum, auch das Gewitter r&amp;uuml;ttelte nicht auf. Peter Korfmacher sprach in der &amp;sbquo;Leipziger Volkszeitung&amp;rsquo; von einer unerh&amp;ouml;rten neuen Interpretation, doch auch von einer R&amp;uuml;ckbesinnung auf den unmissverst&amp;auml;ndlich verbrieften Komponistenwillen. Gerne w&amp;uuml;rde ich diese Interpretation noch einmal h&amp;ouml;ren, was allerdings nur auf der bei Decca erscheinenden CD m&amp;ouml;glich sein wird. Neben all den vielen Beethoveneinspielungen, nun noch eine weitere, die allerdings Interessantes zeigen k&amp;ouml;nnte. Chailly ist kein Showman, sondern setzt sich intensiv mit der Musik auseinander, &amp;uuml;ber seine Art zu musizieren, sollte nachgedacht werden. Zu h&amp;ouml;ren waren im Gewandhaus auch die Ouvert&amp;uuml;ren zu &amp;sbquo;K&amp;ouml;nig Stephan&amp;rsquo; und &amp;sbquo;Zur Namensfeier&amp;rsquo;. Zwischen Beethoven dann Sergej Prokofjews zweites Violinkonzert. Vadim Repin und das Orchester spielten das schwierige Werk durchsichtig und flie&amp;szlig;end, der warme Klang&amp;nbsp;der Guarneri Sinn war f&amp;uuml;r diese Art des Musizierens wie geschaffen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Oper Leipzig hatte am ersten Advent mit Mozarts &amp;sbquo;Die Zauberfl&amp;ouml;te&amp;rsquo; einen Familientag im Programm. Einf&amp;uuml;hrungen f&amp;uuml;r Kinder gab es ab 14 Uhr, das gro&amp;szlig;e Haus war&amp;nbsp;ausverkauft. Nat&amp;uuml;rlich dirigierte der neue GMD Ulf Schirmer, der nun sogar in Leipzig wohnt und ernsthaft bem&amp;uuml;ht ist, das Haus auf einen internationalen Spitzenplatz zu bringen, doch daf&amp;uuml;r wird er einen langen Atem ben&amp;ouml;tigen. Die Turbulenzen der letzten Jahre gilt es zu stabilisieren und ein neues Repertoire aufzubauen. Die Inszenierung der Zauberfl&amp;ouml;te, aus dem Jahr 2004 von Ralf N&amp;uuml;rnberger, zeigte gro&amp;szlig;e Schw&amp;auml;chen, wenngleich einige gute Ans&amp;auml;tze vorhanden waren, doch die gesamte Symbolik des Werks blieb auf der Streckte. Mozarts Publikumsrenner k&amp;ouml;nnte allerdings mit einer klugen &amp;Uuml;berarbeitung wieder ins rechte Licht ger&amp;uuml;ckt werden. Auch gesanglich blieb die Vorstellung etwas blass, da zu viele Umbesetzungen den Spieltrieb einfach ausbremsten. Das Orchester&amp;nbsp;musizierte unter seinem neuen Chef lupenrein, wenn auch anf&amp;auml;nglich etwas zaghaft, nach der Pause steigerte man sich, und der Mozartsche Geist beherrschte letztendlich die Szene. Also auf nach Leipzig,&amp;nbsp;immer noch eine spannende&amp;nbsp;Musikstadt! Selbst im benachbarten Halle gab es am Samstag eine beeindruckende Boh&amp;egrave;me-Premiere zu erleben. Es muss nicht immer M&amp;uuml;nchen, Berlin oder Wien sein, und das ist gut so!&lt;/p&gt;</description>
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	<item>
		<title>Marathon der Moderne (25.11.2009)</title>
		<link>http://magazin.klassik.com/autoren/blog.cfm?PostID=133&amp;USID=4743</link>
		<author>Midou Grossmann</author>
		<description>&lt;p&gt;Letztes Wochenende gab es ein Mammut-Programm&amp;nbsp;der zeitgen&amp;ouml;ssischen Musik im Funkhaus am Dornbusch zu erleben. Im Mittelpunkt der Klangbiennale 2 stand Bruno Maderna, der mit seiner Musik Vorgaben gegeben hat, die lange Zeit nicht eingel&amp;ouml;st werden konnten, doch die zwischenzeitlich vermehrt von jungen Komponisten aufgegriffen werden. Siebzehn Stunden lang, zwischen Samstagnachmittag und Sonntagabend, waren unz&amp;auml;hlige Konzerte, Gespr&amp;auml;che und auch eine Klanginstallation im Foyer zu erleben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Lebensweg Madernas (geboren 1920), vom venezianischen Wunderkind, das schon mit 13 Jahren Sinfoniekonzerte dirigiert, bis zu seinem fr&amp;uuml;hen Tod in Darmstadt im Jahr 1973, wurde vielf&amp;auml;ltig pr&amp;auml;sentiert.&amp;nbsp;Madernas Lehrer waren&amp;nbsp;Gian Francesco Malipiero und Hermann Scherchen. Als Komponist, als engagierter Dirigent und Lehrer, als Vision&amp;auml;r und Pionier der Elektronischen Musik gab er wegweisende Impulse. Das hr-Sinfonieorchester sowie die hr-Bigband pr&amp;auml;sentierten das Thema &amp;sbquo;Satellit Maderna&amp;rsquo; mit insgesamt 14 Orchester-, Ensemble- und Kammermusikwerken sowie Elektronischer Musik, au&amp;szlig;erdem waren auch Urauff&amp;uuml;hrungen von Michael Reudenbach, Johannes S. Sistermanns und Wolfgang Liebhart zu erleben sowie Auftragswerke von Hans-Joachim Hespos, Bernhard Lang und Django Bates f&amp;uuml;r die hr-Bigband.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Schon 1970 betonte Maderna in einem Gespr&amp;auml;ch seine Vorstellung der unaufl&amp;ouml;slichen Verbindung von Tradition und Fortschritt.&amp;nbsp;Von den Hauptpr&amp;auml;sentanten der Darmst&amp;auml;dter Schule unterschied er sich durch seine pers&amp;ouml;nliche und breite Aufgeschlossenheit f&amp;uuml;r alle M&amp;ouml;glichkeiten der Klangerzeugung. Er begriff sich immer als Mittler zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Der Hessische Rundfunk arbeitet an der ersten Gesamteinspielung aller Orchesterwerke Madernas. Unter Leitung von Arturo Tamayo, pr&amp;auml;sentiert das hr-Sinfonieorchester auf insgesamt 5 CDs erstmals alle Orchesterwerke des Avantgard-Komponisten. Offizieller Ver&amp;ouml;ffentlichungstermin der ersten beiden CDs ist der 20. Januar 2010. Gleichzeitig werden zwischen dem 12. Januar und 16. Februar 2010 alle Konzerte dieser Klangbiennale 2 auf hr2-kultur zu h&amp;ouml;ren sein.&lt;/p&gt;</description>
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	<item>
		<title>Prek&#xe4;re Interaktionen (12.11.2009)</title>
		<link>http://magazin.klassik.com/autoren/blog.cfm?PostID=132&amp;USID=50314</link>
		<author>Daniel Krause</author>
		<description>&lt;p&gt;Das Radio-Sinfonieorchester Stuttgart unternimmt eine Konzertreise durch Polen und durchs Baltikum. Sie f&amp;uuml;hrt nach Warschau, Riga und, am 9. November 2009, in die Krakauer Philharmonie. Als musikalischer Leiter firmiert Roger Norrington, Chefdirigent, h&amp;ouml;chstpers&amp;ouml;nlich.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wer mit polnischen S&amp;auml;len wenig vertraut ist, m&amp;ouml;ge das Wiener Konzerthaus, notfalls Concertgebouw Amsterdam, vor dem inneren Auge aufrufen, um ein Bild von der visuellen Erscheinung der Krakauer Philharmonie zu erhalten. Sie dient als Heimstatt des Orchesters gleichen Namens, das sich mit Vorliebe im zeitgen&amp;ouml;ssischen Repertoire tummelt, zumal als &apos;Hausorchester&apos; Krzysztof Pendereckis. Dem akustischen Profil nach ist die Krakauer Philharmonie zwischen den vorgenannten Extremen angesiedelt: Frischer klingend als das Konzerthaus, kaum weniger hallreich als Concertgebouw, ist die Philharmonie f&amp;uuml;r gro&amp;szlig;e Besetzungen durchaus geeignet, dies bei geringer Raumtiefe und gedrungenen Proportionen, bei gro&amp;szlig;fl&amp;auml;chigen, wenig Schall streuendes Ornament aufbietenden W&amp;auml;nden. Schwebendes Piano und wohlt&amp;ouml;nende F&amp;uuml;lle nach Bostoner oder Wiener-Musikvereins-Art geh&amp;ouml;ren zugegebenerma&amp;szlig;en nicht zum klanglichen Repertoire dieses Saals. Dennoch: Die Musiker, gleich ob sie als Streichquartett oder Kammerensemble auftreten, finden brauchbare akustische Gegebenheiten vor.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Stuttgarter Orchester hatte ein klug arrangiertes, wenngleich nicht im &amp;Uuml;berma&amp;szlig; ambitioniertes, Programm zusammengestellt: Wagners &apos;Holl&amp;auml;nder&apos;- und &apos;Lohengrin&apos;-Vorspiele, Schumanns &apos;Rheinische&apos; Sinfonie und &amp;ndash; als Reverenz an den genius loci &amp;ndash; Zygmunt Noskowskis Sinfonische Dichtung op. 66, &apos;Steppe&apos;, die zart und durchsichtig, ohne Theaterdonner und Pomp, zu Geh&amp;ouml;r gebracht wurde &amp;ndash; just wie es Noskowski geb&amp;uuml;hrt, der mehr war als Lehrer eines bekannteren Landsmanns, Karol Szymanowskis: T&amp;uuml;chtiger Komponist in Schumann-Nachfolge und Zeitgenossenschaft Brahms&apos; und Begr&amp;uuml;nder der Gattung &apos;Sinfonische Dichtung&apos; in Polen, mithin Erm&amp;ouml;glicher und Verwirklicher in einer Person.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die legitimen Erwartungen an den Auftritt der Schwaben waren recht hoch, denn Roger Norrington ist mit gefeierten wie befehdeten, jedenfalls unerh&amp;ouml;rten Wagner- und Romantiker-Lesarten hervorgetreten. Tats&amp;auml;chlich wurde ein Wagner in Mendelssohn-N&amp;auml;he geboten, mit doppeltem Knappertsbusch-Tempo &amp;ndash; wiewohl weniger rasch, als mancher gehofft oder bef&amp;uuml;rchtet hatte &amp;ndash; und klanglich gelichtet, ein Wagner unter Di&amp;auml;t, gleichwohl nicht bulimisch. &amp;Uuml;bertreibungen wurden in jeder Hinsicht vermieden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Fingerkuppen der Geiger vibrierten erwartungsgem&amp;auml;&amp;szlig; wenig, und solche Vibratoaskese mochte zum tendenziell schrillen, etwas blechernen Klangeindruck beitragen. Auch legte sie Intonationstr&amp;uuml;bungen erbarmungslos offen: Sie traten selten, aber in sch&amp;ouml;ner Regelm&amp;auml;&amp;szlig;igkeit auf. Wohlgemerkt: Dies zu bem&amp;auml;ngeln w&amp;auml;re Hypokrisie, denn unter Livebedingungen ist Perfektion nicht zu fordern, und der g&amp;uuml;nstige Gesamteindruck des Abends wurde durch Intonationstr&amp;uuml;bungen &amp;ndash;  selten a-synchrone Eins&amp;auml;tze, leicht verwaschene Sechzehntelketten der Streicher &amp;ndash; nicht wesentlich beeintr&amp;auml;chtigt. Das Radio-Sinfonieorchester bot durchsichtig entfetteten Stuttgart Sound, handwerklich solide und musikalisch intelligent. Als Gegenbild, wenngleich nicht Widerlegung, der Knappertsbusch-Tradition hochm&amp;ouml;gend &apos;deutschen&apos;, farbsatt expansiven Wagnerspiels ist dieser  Zugriff aller Ehren und Verehrung wert. Dies umso mehr, als Norrington deutlich nach Tempi und dynamischen Stufen unterschied, mithin f&amp;uuml;r ungew&amp;ouml;hnlich klare Proportionen und Formverl&amp;auml;ufe sorgte. Zumal das &apos;Lohengrin&apos;-Vorspiel war ganz auf &apos;einen&apos; H&amp;ouml;hepunkt, ein Forte hin entworfen. (Dass die Piani nicht eigentlich unirdisch flirrten, vielmehr recht k&amp;ouml;rperhaft blieben, mag der direkten Akustik des Saales zuzuschreiben sein.)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die schw&amp;auml;bische Phrasierungskunst ist jener traditionsverbunden elefant&amp;ouml;ser Wagner-Orchester naturgem&amp;auml;&amp;szlig; &amp;uuml;berlegen &amp;ndash; was Klarheit, Ausdruckskraft und Pr&amp;auml;zision betrifft. F&amp;uuml;r gesanglich, pr&amp;auml;zis durchartikulierte B&amp;ouml;gen war meistenteils gesorgt, Sforzati wurden punktgenau exekutiert. Dennoch konnte sich &amp;ndash; auf hohem Niveau &amp;ndash; Entt&amp;auml;uschung einstellen. Die Streicherch&amp;ouml;re blieben &amp;ndash; nach Stuttgarter Ma&amp;szlig;st&amp;auml;ben historischer informierter Phrasierung &amp;ndash; seltsam pauschal, beinahe desengagiert: Vielleicht ist es Norringtons sparsamer Gestik geschuldet, zumal der recht passiven Linken. Dass seine K&amp;ouml;rpersprache Gelassenheit ausstr&amp;ouml;mt und W&amp;uuml;rde ohne Pr&amp;auml;tention, dass hysterisch-clowneskes Gestikulieren nicht statthat, tiefgr&amp;uuml;ndelndes Brahmanengehabe ebenso wenig &amp;ndash; es ist gewiss kein Nachteil. Ein wenig mehr Phrasierungsengagement der Linken h&amp;auml;tte sich dennoch vorteilhaft auswirken k&amp;ouml;nnen, im Sinne gesteigerter Beredsamkeit und Plastizitit&amp;auml;t. Dass entsprechendes dirigentisches K&amp;ouml;nnen Norrington durchaus zur Verf&amp;uuml;gung steht, war bei Gelegenheit samtener, mit links definierter Eins&amp;auml;tze un&amp;uuml;bersehbar. (Tats&amp;auml;chlich klang das Blech nie r&amp;uuml;de und knallig.) Auch der Entschluss, den Taktstock, wo es geboten schien, beiseite zu legen, gibt Zeugnis von wohlkalkulierter dirigentischer Technik.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mochte Norringtons britisch dezente Phrasierung beim &apos;Lohengrin&apos; als ein Stilmittel durchgehen, das die Entr&amp;uuml;cktheit ritterlich-traumhafter Kl&amp;auml;nge beglaubigt, wurde dasselbe Verfahren bei Schumann zum Problem: Manche Passage der &apos;Rheinischen&apos; kann vom Notentext aus erratisch, unmotiviert, unterbelichtet erscheinen. Hier t&amp;auml;te beherzte Phrasierung Not, um dem Anschein der Formlosigkeit und mangelnder Inspiration entgegenzuwirken. Andernfalls kann so manches wie lieblos hingeworfenes Notenger&amp;ouml;ll t&amp;ouml;nen, und eben dieser Fall ist &amp;ndash; manchmal &amp;ndash; eingetreten. Ob es Norrington und seinen Schwaben anzulasten ist? Es konnte scheinen, als sei dem Orchester mangelnde Vertrautheit mit polnischen Gepflogenheiten zum Verh&amp;auml;ngnis geworden: Selbst nach dem &amp;ndash; liebevoll zelebrierten &amp;ndash; Noskowski-St&amp;uuml;ck blieb die Krakauer H&amp;ouml;rerschaft artig-verhalten, und der Applaus war enden wollend. Dies musste deutscherseits Befremden ausl&amp;ouml;sen, und manchem  Stuttgarter war die Verunsicherung un&amp;uuml;bersehbar ins Gesicht geschrieben. (Der alte Hase Roger Norrington blieb freundlich und gelassen wie stets.) Mag sein, dass solche Irritationen &amp;ndash; samt einer nach deutschem Ma&amp;szlig; recht langen Pause &amp;ndash; die Spielfreude der Instrumentalisten beeintr&amp;auml;chtigten. Als das Eis mit dem Schumann-Finale gebrochen war und unvermutete standing ovations geboten wurden, war es zu sp&amp;auml;t f&amp;uuml;r die Musik &amp;ndash; nicht f&amp;uuml;r die selig erl&amp;ouml;st l&amp;auml;chelnden Musiker.&lt;/p&gt;</description>
	</item>
	
	<item>
		<title>Schubert als Esel (16.10.2009)</title>
		<link>http://magazin.klassik.com/autoren/blog.cfm?PostID=131&amp;USID=52283</link>
		<author>Aron Sayed</author>
		<description>&lt;p&gt;Ich muss gestehen, dass es mir seit dem ersten Anschauen von Robert Bressons &amp;acute;Au Hasard Balthazar&amp;acute; (Zum Beispiel Balthasar) vor einigen Wochen unm&amp;ouml;glich ist, das Andantino aus Franz Schuberts Klaviersonate A-Dur DV. 959 zu h&amp;ouml;ren, ohne dabei den Esel Balthazar aus eben dem gleichnamigen Film von 1966 vor dem inneren Auge erscheinen zu sehen. Um dieses seltsame Ph&amp;auml;nomen loszuwerden, sollen hier einige Gedanken zu dieser merkw&amp;uuml;rdigen Verbindung niedergetippt werden, frei nach dem Ausspruch, was einmal ungef&amp;auml;hr verstanden wurde, muss einen nicht mehr besch&amp;auml;ftigen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bressons Spielfilm handelt vom Leidensweg des Esels von seiner Taufe durch die Kinder Marie und Jacques bis zu seinem Tod inmitten einer Schafherde, gewisserma&amp;szlig;en zu einer Art &amp;sbquo;Lamm Gottes&amp;rsquo; verwandelt und zum Heiligen verkl&amp;auml;rt. In der langen Zeit dazwischen benutzen ihn die Menschen unter anderem als Lastesel, Kutschentier und Zirkusattraktion. Besonders der Schmuggler G&amp;eacute;rard und der Verbrecher Arnold misshandeln die Kreatur dabei wiederholt auf verschiedenste Weise, w&amp;auml;hrend Marie ihm durch sein Leben hindurch beisteht, dabei aber selbst vielerlei Qualen erf&amp;auml;hrt. Am Schluss stirbt auch sie, nachdem G&amp;eacute;rards Bande sie vergewaltigt und nackt in einer H&amp;uuml;tte hat liegen lassen. Balthazar aber wird, von G&amp;eacute;rard bei einem illegalen Grenz&amp;uuml;bertritt als Lastentr&amp;auml;ger benutzt, von einer Polizeipatrouille angeschossen und verendet. Faszinierend an dieser ziemlich mitleidserregenden Geschichte ist nun nicht nur, dass es sich bei dem Protagonisten um einen Esel handelt &amp;ndash; das funktioniert &amp;uuml;brigens ausgezeichnet, Jean-Luc Godard meinte, jeder, der diesen Film sehe, werde absolut erstaunt sein, da er wahrhaftig die Welt in anderthalb Stunden sei &amp;ndash;, sondern vor allem die Filmmusik, die Balthazar immer wieder und ausschlie&amp;szlig;lich begleitet, das Geschehen kommentierend: das Andantino aus Schuberts sp&amp;auml;ter A-Dur Klaviersonate mit seinem an die Stimmungen der &amp;acute;Winterreise&amp;acute; erinnernden Thema in fis-Moll. Schon im Vorspann des Films wird die Koppelung von Schuberts Musik an den Esel deutlich gemacht: der sehr aufgew&amp;uuml;hlte, f&amp;uuml;r seine Zeit unerh&amp;ouml;rt dissonante B-Teil des Andantinos &amp;ndash; Alfred Brendel sprach einmal von &amp;acute;Paroxysmus&amp;acute; in Bezug auf diesen Abschnitt &amp;ndash; wird auf dem H&amp;ouml;hepunkt durch Balthasars Jaulen pl&amp;ouml;tzlich f&amp;uuml;r einige Sekunden unterbrochen, anschlie&amp;szlig;end l&amp;auml;uft die Musik weiter. Zun&amp;auml;chst mag das irritieren, ja sogar respektlos gegen&amp;uuml;ber Schuberts Musik wirken. Ist diese wundersch&amp;ouml;ne Klaviersonate etwa gleichzusetzen mit Eselslauten? Doch was am Anfang vielleicht unversch&amp;auml;mt klingt, gewinnt im Handlungsverlauf mehr und mehr an Plausibilit&amp;auml;t und entpuppt sich im Nachhinein als formaler Kunstgriff, der den gesamten Films quasi in der Nussschale vorwegnimmt. Bressons Einsatz des Schubert-Andantinos funktioniert meiner Ansicht n&amp;auml;mlich durch eine gezielte Semantisierung, die er ihr unterzieht. Das hei&amp;szlig;t, die Musik wird mit einer bestimmten Bedeutung aufgeladen, hier mittels R&amp;uuml;ckgriff auf einen bestimmten Topos der Schubert-Rezeption, den von seiner Musik als Ausdruck des Leidens.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Person Schubert gilt im &amp;ouml;ffentlichen Bewusstsein noch heute als zu Lebzeiten verkanntes, in Armut verstorbenes Genie (tats&amp;auml;chlich bleiben bei seinem Tod in den Wiener Zeitungen die Nachrufe aus). Als 13tes von 16 Kindern w&amp;auml;chst er als Sohn eines Pfarrschullehrers und einer ehemaligen K&amp;ouml;chin auf. Nach Abbruch der Schullaufbahn am Wiener Konvikt geht er seinem Vater als Gehilfe zur Hand. Die Versuche, sich als Komponist zu etablieren oder als Kapellmeister sein Brot zu verdienen, scheitern. Auf die Unterst&amp;uuml;tzung Anderer angewiesen, lebt er ab 1816 &amp;uuml;berwiegend in den Wohnungen seiner K&amp;uuml;nstler- und Literaten-Freunde und komponiert und komponiert, dabei immer wieder von Krankheit und Zweifeln heimgesucht. Nur langsam w&amp;auml;chst seine Bekanntheit als Komponist, mittlerweile zeigen auch die Verleger mehr Interesse an seinen Werken. Die A-Dur Sonate entsteht 1828, im Jahr seines Todes. Schubert wird 31.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese wenigen S&amp;auml;tze zur Biographie stellen nat&amp;uuml;rlich eine starke Reduzierung dar, aber diese Andeutungen sollen ausreichen, um zu zeigen, worin sich die allgemeine Vorstellung von Schuberts Leben als einer Art Leidensweg gr&amp;uuml;ndet. Eine Vorstellung, die, legitim oder nicht, oft zur Deutung seiner Kompositionen herangezogen wurde. Und auch wenn es eine Reduzierung aufs Emotionale ist: es gibt wohl kaum jemanden, der das Andantino aus der A-Dur Sonate nicht als traurige, vielleicht sogar todtraurige Musik empfinden w&amp;uuml;rde, egal ob er um das Leben des Komponisten bzw. die Stereotypen dazu wei&amp;szlig; oder nicht. Hier setzt nun &amp;acute;Au Hasard Balthazar&amp;acute; an. Ein Film, der wie gesagt vom Leidensweg eines Esels handelt. Worin auch ein Risiko liegt, denn der Zuschauer kann sich immer entscheiden, dass ihn Balthazar nichts angeht, schlie&amp;szlig;lich handelt es sich ja &amp;sbquo;blo&amp;szlig;&amp;rsquo; um einen Esel, ein Tier (f&amp;uuml;r einen tierliebenden Menschen, wie mich, ist das nat&amp;uuml;rlich kein Argument, trotzdem muss es hier genannt werden), das &amp;uuml;brigens zu keinem Zeitpunkt des Films irgendwie vermenschlicht wird: &amp;bdquo;Bressons Esel bleibt ein Esel, den ganzen Film hindurch, und dies verleiht Au Hasard Balthazar jene ungeheure Kraft: Balthazar kann sich gegen nichts verteidigen und so bestehen die bedr&amp;uuml;ckendsten Momente seines kaum mehr als &amp;sbquo;leise&amp;rsquo; zu bezeichnenden Widerstandes lediglich aus denen, in welchen er schlichtweg stehen bleibt, in denen die Peitsche seines Herrn vergebens auf ihn eindrischt&amp;ldquo; (Janis El-Bira auf filmzentrale.com). Insofern kann man den Einsatz des &amp;sbquo;traurigen&amp;rsquo;, &amp;sbquo;niederdr&amp;uuml;ckenden&amp;rsquo; Andantinos auch als eine auf die Erzeugung von Gef&amp;uuml;hlen, von Mitleid gerichtete Strategie deuten, als ein Auf-sicher-gehen, damit die beabsichtige Wirkung auf jeden Fall zustande kommt, so wie ja eine der Hauptfunktionen von Musik im Film eine wirkungs&amp;auml;sthetische ist: die Verst&amp;auml;rkung der Evokation von Emotionen in bestimmten Szenen. Darin aber die alleinige Funktion von Schuberts Andantino in &amp;acute;Au Hasard Balthazar&amp;acute; zu sehen, w&amp;auml;re meiner Ansicht nach falsch, daf&amp;uuml;r sind die Analogien zwischen der Leidens-Musik Schuberts und dem Leidens-Weg Balthazars und Schuberts zu gro&amp;szlig;. Denn sowohl Schubert als auch der Esel k&amp;ouml;nnen trotz aller Unterschiede auf einer abstrakteren Ebene als &amp;sbquo;unschuldige&amp;rsquo; Wesen betrachtet werden, die der Lauf der Welt zugrunde gerichtet hat. Das Andantino aus der A-Dur Sonate bildet in Bresson Film dann den selbstverfassten, klingenden Kommentar dazu, der sich st&amp;auml;ndig wiederholt, im Kreise dreht, wie eine von einer Leier gedrehte Melodie. Schaut man wieder auf den Vorspann, in dem der wilde dissonante Ausbruch des B-Teils (ff) im Klavier von Balthazars Eselsschreien unterbrochen wird, k&amp;ouml;nnte man die beiden akustischen Elemente sogar als prinzipiell gleichwertig, weil gleichbedeutend, ansehen, als Aufschrei. Mehr noch: man k&amp;ouml;nnte behaupten, in letzter Konsequenz schl&amp;auml;gt Schuberts Musik als Leidensausdruck im extremsten Moment um in den Aufschrei der Kreatur. Dies gezeigt zu haben, w&amp;auml;re dann im Blick auf Schuberts Musik die produktive Leistung von &amp;acute;Au Hasard Balthazar&amp;acute;.&lt;/p&gt;</description>
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		<title>Es gibt ihn doch, den verantwortungsvollen Impresario (15.10.2009)</title>
		<link>http://magazin.klassik.com/autoren/blog.cfm?PostID=130&amp;USID=4743</link>
		<author>Midou Grossmann</author>
		<description>&lt;P&gt;Das b&amp;uuml;rgerliche Flair der Finanzstadt am Main wurde bis heute nicht von den vielen Hochh&amp;auml;usern und der Pr&amp;auml;senz der gewaltigen Manager verdr&amp;auml;ngt. Auch ist der Hesse ein Urgew&amp;auml;chs, das sich von Protzerei generell nicht so schnell beeindrucken l&amp;auml;sst, das aber durchaus offen und weltgewandt ist. Frankfurt, eine freie Reichsstadt seit dem Mittelalter, spielte als Wahl- und Kr&amp;ouml;nungsort der r&amp;ouml;misch-deutschen Kaiser in der Vergangenheit eine immanent wichtige Rolle. In der engeren&amp;nbsp;Stadtregion leben heute etwa 1,8 Millionen, im gesamten&amp;nbsp;Rhein-Main-Gebiet 5,8 Millionen Einwohner. Schon immer pr&amp;auml;gten selbstbewusste B&amp;uuml;rger das kulturelle Leben der Stadt und so ist ein Engagement auch heute noch in fast allen Schichten der Gesellschaft Tradition. Allerdings wollte die Stadt Frankfurt die Ruine des Opernhauses in den Jahren nach dem Krieg sogar abrei&amp;szlig;en, doch mutige B&amp;uuml;rger dr&amp;auml;ngten mit gro&amp;szlig;z&amp;uuml;gigen Spenden hartn&amp;auml;ckig auf einen Wiederaufbau. Dem Frankfurter B&amp;uuml;rgersinn ist es zu verdanken, dass das sp&amp;auml;tklassizistische Geb&amp;auml;ude wieder aufgebaut werden konnte. Heute ist die Alte Oper aus dem Frankfurter Kulturleben und dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken. Dar&amp;uuml;ber hinaus hat sich das Konzerthaus einen festen Platz im internationalen Musikleben erobert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Michael Hocks, der als Gesch&amp;auml;ftsf&amp;uuml;hrer und Intendant die Alte Oper Frankfurt seit seinem Amtsantritt 1998 zu einem internationalen Musikzentrum aufgebaut hat, pr&amp;auml;gt die musikalischen Geschicke der Stadt allerdings schon seit 1986. Bevor Hocks beruflich in das Stadtzentrum umzog, machte er als Intendant die Jahrhunderthalle Hoechst zu einem aufregenden Kulturzentrum, aufgebaut auf einer perfekten Symbiose von Klassik, Ballet, Pop sowie Kunstausstellungen. Eine Aura des Au&amp;szlig;ergew&amp;ouml;hnlichen lag damals &amp;uuml;ber dem architektonisch interessanten Bau vor den Toren der Stadt. Inmitten gr&amp;uuml;ner Wiesen gastierten nahezu alle gro&amp;szlig;en Orchester der Welt und viele der legend&amp;auml;ren Ballettensembles, gleichzeitig trafen sich dort auch regelm&amp;auml;&amp;szlig;ig die Fans der damaligen Popgr&amp;ouml;&amp;szlig;en, die Fritz Rau ins Land brachte. Dem unerm&amp;uuml;dlichen, von der Kunst fast besessenen Michael Hocks, gelingt es immer wieder, mit viel Begeisterung und Sp&amp;uuml;rsinn, begabte K&amp;uuml;nstler zu entdecken und zu f&amp;ouml;rdern. All seine Talente basieren auf einem profunden Musikverst&amp;auml;ndnis, das sich jedoch nicht nur auf das Wissenschaftliche beruft, sondern das die Musik als ganzheitliche philosophische Substanz versteht. Als charmanter Gastgeber ist er zudem allabendlich immer pr&amp;auml;sent und ansprechbar. In der damaligen Zeit sind die Beziehungen zwischen der Bev&amp;ouml;lkerung und ihren Industriegiganten noch recht harmonisch. Die gro&amp;szlig;en Konzerne investierten gerne und gro&amp;szlig;z&amp;uuml;gig in die Kunst. So auch die Hoechst AG, die mit ihrem Engagement in den 80er Jahren ein Vorreiter war, und das auch dank dem Weitblick und Engagement von Michael Hocks.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Als die Alte Oper im Zentrum der Stadt1981 er&amp;ouml;ffnet wurde, hatte sie es schwer, sich neben der Jahrhunderthalle zu behaupten, und so holte man dann 1998 den Intendanten derselben kurzerhand an das eigene Haus. Michael Hocks konnte nach dem Wechsel auch hier seine k&amp;uuml;nstlerische Pers&amp;ouml;nlichkeit voll einbringen, obwohl die schnelle Entscheidung ein Sprung ins kalte Wasser gewesen war, doch solche Herausforderungen sind ganz nach seinem Geschmack. Sehr schnell pr&amp;auml;gte er mit enormen Fachwissen, Offenheit sowie Neugier die Geschicke der Alten Oper. Das Programm zeigt sich heute breitgef&amp;auml;chert: Sinfonie- und Kammerkonzerte, Liederabende, Alte und Moderne Musik, aber auch Jazz, Rock und Pop, Leichte Muse, Kabarett oder &amp;ndash; im Sommer sowie in der Weihnachtszeit &amp;ndash; en suite-Veranstaltungen mit Tanz, Musicals und Kinderprogrammen. Auch als Kongresshaus mit etwa 50 Veranstaltungen im Jahr ist die Alte Oper Frankfurt weit &amp;uuml;ber das Rhein-Main-Gebiet hinaus bekannt. Gro&amp;szlig;e Unternehmen sch&amp;auml;tzen die repr&amp;auml;sentativen S&amp;auml;le und Salons des Hauses, um B&amp;auml;lle, Kongresse, Pressekonferenzen, Firmenjubil&amp;auml;en, Produktpr&amp;auml;sentationen oder Empf&amp;auml;nge durchzuf&amp;uuml;hren. Dennoch ist es dem Intendanten gelungen das Haus als einen Musiktempel &amp;ndash; im positiven Sinn des Wortes &amp;ndash; im Bewusstsein der Menschen zu etablieren. Der Geistigkeit der Musik f&amp;uuml;hlt sich Michael Hocks immer verpflichtet. Brillante Orchester und wichtige Klassikstars sind in Frankfurt regelm&amp;auml;&amp;szlig;ig zu erleben, und sie kommen gerne in das Haus, weil das Frankfurter Publikum es versteht, Qualit&amp;auml;t von einer nur vordergr&amp;uuml;ndigen Show mit viel Gesp&amp;uuml;r zu unterscheiden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Allein das allj&amp;auml;hrliche Auftakt-Programm zur Saisoner&amp;ouml;ffnung, gro&amp;szlig;z&amp;uuml;gig von privaten Sponsoren unterst&amp;uuml;tzt, zeigt eine Bandbreite - neben den gro&amp;szlig;en Namen werden auch ein Symposium, Kammermusik und zeitgen&amp;ouml;ssische Musik angeboten &amp;ndash; wie sie sonst nur noch in Salzburg oder Luzern zu erleben ist, in Frankfurt gl&amp;uuml;cklicherweise mit&amp;nbsp;moderaten Eintrittspreisen. Neben dem Gro&amp;szlig;en Saal mit 2450 Pl&amp;auml;tzen ist der Mozart Saal mit 720 Pl&amp;auml;tzen ein wichtiger Spielort f&amp;uuml;r Kammermusik, aber auch f&amp;uuml;r das Ensemble Modern, das in Frankfurt zuhause ist. Michael Hocks nimmt den Bildungsauftrag der Kunst sehr ernst und aktuelle Trends, die die Kunst als &amp;sbquo;Creative Industrie&amp;rsquo; bezeichnen, lehnt er konsequent ab.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zum Leidwesen Vieler wird er sich Ende 2011 aus dem aktiven Berufsleben zur&amp;uuml;ckziehen, doch sicherlich wird die Frage der Nachfolge mit Weitblick, Fingerspitzengef&amp;uuml;hl und Sachverstand geregelt werden. Dieser R&amp;uuml;ckzug bedeutet allerdings nicht, dass er der Kunst abhanden kommen wird, im Gegenteil, er freut sich schon jetzt, als Privatier seine k&amp;uuml;nstlerischen Interessen auf einer andern Ebene auszubauen, dazu z&amp;auml;hlt auch seine beachtliche Kunstsammlung. Schon sehr fr&amp;uuml;h wusste Hocks, dass die Kunst sein Lebensinhalt werden w&amp;uuml;rde, Impresario, das war es, was er werden wollte. In M&amp;uuml;nchen studiert er Jura, und fast jeden Abend sitzt er in den Theatern der Stadt, f&amp;uuml;nf Jahre lang. Teilweise gelangt er mit dem Lastenaufzug der Firma K&amp;auml;fer ins ausverkaufte Nationaltheater, im Cuvilliestheater hat er w&amp;auml;hrend seiner gesamten Studienzeit einen Job. Nach dem Studium ist er freier Mitarbeiter beim Musik- und Theaterreferat der Zentrale des Goethe-Instituts in M&amp;uuml;nchen. Weitere Stationen sind die Konzertagentur Schmid, er brachte es dort bis zum Mitinhaber, dann war er Direktor des musikalischen Betriebs der Hamburgischen Staatsoper und des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg, bevor&amp;nbsp;man ihn nach Frankfurt holte. Die Stadt begeistert ihn auf den ersten Blick erst einmal nicht, doch nach 23 Jahren f&amp;uuml;hlt sich Hocks in der Region zuhause, wenn man mal seine Liebe f&amp;uuml;r S&amp;uuml;dfrankreich ausklammert. Nun sucht er ein Domizil im lieblichen Rheingau, das ihm f&amp;uuml;r neue Aufgaben Raum und Inspiration geben kann. Wer wei&amp;szlig;, vielleicht steht ihm noch eine weitere aufregende Etappe im Dienste der Kunst bevor. Menschen wie Michael Hocks werden immer und &amp;uuml;berall gebraucht, im Besonderen in der heutigen Zeit, in der die Kunst manchmal in den Fesseln der Beliebigkeit unterzugehen droht.&lt;/p&gt;</description>
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		<title>Notizen zu Lang Langs B&#xfc;hnenk&#xf6;rper (13.10.2009)</title>
		<link>http://magazin.klassik.com/autoren/blog.cfm?PostID=129&amp;USID=58311</link>
		<author>Tobias Roth</author>
		<description>&lt;p&gt;Die k&amp;ouml;rperliche B&amp;uuml;hnenpr&amp;auml;senz des Pianisten Lang Lang ist bekanntlich eine aufwendige, ausladende, exaltierte. Sein, mit einem Wort, B&amp;uuml;hnenk&amp;ouml;rper ist ein gro&amp;szlig;er Raumgriff. Daran Ansto&amp;szlig; zu nehmen, scheint sehr einfach. Ich will es komplizierter versuchen. Daran Ansto&amp;szlig; zu nehmen, scheint v.a. Sache von kn&amp;ouml;chernen, &amp;uuml;beraus und zu ernsten Kunstkonsumenten zu sein, die (man erlaube eine kurze Karikatur als z&amp;uuml;gigsten Weg der Abstraktion) bereits eine weit zur&amp;uuml;ckliegende Jugend haben, in der das meiste, ganz sicher aber die Pianisten besser waren; f&amp;uuml;r die die Popularisierung der E-Musik ein Horror ist, obwohl sie im gleichen Atemzug beklagen, dass die Jugend nicht ins Konzert geht; die Bach wohl am liebsten in der vollabstrakten K&amp;ouml;rperlosigkeit des mathematischen Zusammenhangs einschl&amp;uuml;rfen w&amp;uuml;rden; die etc. Ich hoffe, den Typus kenntlich gemacht zu haben, und versichern zu k&amp;ouml;nnen, dass ich nicht dazugeh&amp;ouml;re. Ich w&amp;uuml;rde gar nicht erst von Popularisierung reden, sondern gleich Tizian, Tieck, Pico della Mirandola, Santiago Calatrava und Slick Rick gleichberechtigt f&amp;uuml;r die Di&amp;auml;t des Kunstkonsumenten vorsehen.&lt;/p&gt;
&lt;P&gt;Die Erw&amp;auml;hnung der Begriffe B&amp;uuml;hnenk&amp;ouml;rper und K&amp;ouml;rperlosigkeit weist zudem bereits darauf hin, dass eine Kritik an Lang Langs Gezappel aus dieser Warte kaum m&amp;ouml;glich ist. Denn der Auffassung von Musik als reiner, k&amp;ouml;rperloser Kunst, der ein heftig bewegter B&amp;uuml;hnenk&amp;ouml;rper Dorn im Auge sein kann, l&amp;auml;sst sich leicht entgegen halten: Wieso gibst du Acht auf das, was dir an Musik nicht wesentlich scheint? Wieso hast du noch ein offenes Auge? Schlie&amp;szlig;e es und st&amp;ouml;re dich nicht an dem, was du im Konzert siehst. Zudem ist diese Auffassung von &amp;bdquo;reiner&amp;ldquo; Kunst und &amp;bdquo;reiner&amp;ldquo; Musik irregeleitet, den goldenen Schnitt in einer bachschen Partitur hin oder her. Es gibt, in diesem Sinn, keine Kunst, die st&amp;auml;rker &amp;bdquo;verunreinigt&amp;ldquo; ist, als die Musik (vielleicht noch die Schauspielerei). Oder, um es affirmativer, und meiner Haltung n&amp;auml;her, zu formulieren: Keine der urkanonischen Kunstgattungen lebt so in und durch einen K&amp;ouml;rper wie die Musik, sie entsteht durch einen atmenden Leib aus Fleisch und Blut, und tritt mit gerade dieser Unmittelbarkeit in den K&amp;ouml;rper des Publikums. Wie Artaud f&amp;uuml;r das Theater erkannte, ist es auch hier der Atem, ganz grundlegend die eingeatmete Luft, die B&amp;uuml;hne und Publikum auf das intensivste miteinander verbindet. Der K&amp;ouml;rper des Musikers ist integraler Bestandteil des musikalischen Kunstwerks, nicht nur seine Finger und sein Kopf. Das Instrument ist nur die inkarnierte Verl&amp;auml;ngerung des K&amp;ouml;rpers; man vgl. die besondere Stellung, die so stets dem Gesang einger&amp;auml;umt wurde, man vgl. die mittelalterliche Vorstellung einer &amp;bdquo;musica humana&amp;ldquo;, die unh&amp;ouml;rbar den schieren Proportionen des menschlichen K&amp;ouml;rpers entstr&amp;ouml;mt. Lyriker haben das Risiko der dekonstruktivistischen Philosophie und Musiker haben das Risiko der Sehnenscheidenentz&amp;uuml;ndung, so k&amp;ouml;nnte man es auch sagen.&lt;/P&gt;
&lt;P&gt;Was ist es nun um Lang Langs B&amp;uuml;hnenk&amp;ouml;rper? Er zuckt kr&amp;auml;ftig die Schultern, rei&amp;szlig;t bis &amp;uuml;ber den Kopf die H&amp;auml;nde aus den Tasten, gestikuliert sofort, sobald eine Hand unbesch&amp;auml;ftigt  bleibt, dirigiert in die Eingeweide des Fl&amp;uuml;gels hinein, hat st&amp;auml;ndig den Mund offen, grinst bei jedem Allegro, formt die Rhythmen mit den Lippen, und am st&amp;auml;ndig in Wellenbewegung wankenden Oberk&amp;ouml;rper tr&amp;auml;gt er vor der Pause ein wei&amp;szlig;es, nach ihr ein blaues Hemd. Was ist daran so schlimm? Gulda trug auch mal vor und nach der Pause gar kein Hemd, Gould hing am Fl&amp;uuml;gel wie ein sterbender, aber singender Katharer. Aber das waren B&amp;uuml;hnenk&amp;ouml;rper, die im Gro&amp;szlig;en und Ganzen &amp;bdquo;diese exzentrische Bahn&amp;ldquo; aus k&amp;uuml;nstlerisch protestierender Selbstbehauptung, als eine Gegenbewegung auspr&amp;auml;gten, und bei denen man gut und gerne an den Cypress-Hill-Vers denken kann: &amp;bdquo;Some people tell me that I need help: some people can fuck of and go to hell.&amp;ldquo; Die heftige Wellenbewegung eignet auch einem Stevie Wonder am Klavier. Aber man k&amp;auml;me nicht auf die Idee, dass es ihm darum geht, wie es aussieht, dass unter diesen Bewegungen ein optisch choreographiertes Zusatzkunstwerk, die Generierung eines neben und &amp;uuml;ber der Musik laufenden Profilierungsversuches laufen k&amp;ouml;nnte. Auf diese Idee kommt man allerdings, wenn man Lang Lang so zusieht. Ob authentisch oder nicht wird hier versucht, ein bestimmtes K&amp;uuml;nstlerbild anzuzapfen, eine momentan modische K&amp;uuml;nstlerqualit&amp;auml;t zu etablieren: ein Versuch, der Aspekte doppelt oder ersetzt, die aus der Musik allein gezogen werden k&amp;ouml;nnten. Der Mann ist hingegeben, leidenschaftlich, der ist bei der Sache, der brennt, mehr noch, dem lodert unter Musenk&amp;uuml;ssen der Scheitel weg: wenn ich es schon nicht h&amp;ouml;ren kann, sehe ich es zumindest. Hier ist der Punkt, in dem der B&amp;uuml;hnenk&amp;ouml;rper &amp;uuml;ber die Musik wuchert; den Komponisten und den Dienst an seiner Musik l&amp;auml;ngst vergessen und hier noch nicht einmal erw&amp;auml;hnt. Dieses Verh&amp;auml;ltnis von einer Kunst, die aus einem K&amp;ouml;rper entsteht, und der Wirkung, die von einem B&amp;uuml;hnenk&amp;ouml;rper ausgeht, kennzeichnet Popmusik im nicht gerade positiven Sinne.&lt;/P&gt;
&lt;P&gt;Ich sage nun gerade nicht, der klassische Musiker solle die wei&amp;szlig;e Fliege am Frack ganz besonders eng tragen und sich nicht, schon gar nicht im Gesicht bewegen. Es muss deutlich werden, dass er einen K&amp;ouml;rper hat: aber einen K&amp;ouml;rper, der die Erregung der Musik lange und tief in sich aufgesogen hat, vom t&amp;auml;glichen Umgang mit ihr durchdrungen ist, und sich nicht den somatischen Erregungen des Moments hingibt (und den Verdacht, dass das alles blo&amp;szlig;e Show ist, braucht man noch gar nicht auszusprechen). Dort und so wird diese Musik zu einer Schule des K&amp;ouml;rpers, seiner Sprache und seiner Beherrschung. Das kann man bis in die technischen Aspekte der Atem- oder Bogeneinteilung verfolgen. Sicher ist zumindest, dass eine &amp;uuml;berw&amp;auml;ltigende Wirkung nicht von einer (gespielten) &amp;Uuml;berw&amp;auml;ltigung des B&amp;uuml;hnenk&amp;ouml;rpers ausgeht. Das ist nicht nur in der Musik so. Ein Artist wird nicht bewundert, wenn er ebensoviel Angst vor dem hochgespannten Drahtseil ausdr&amp;uuml;ckt, wie es das identifikatorisch ergriffene Publikum f&amp;uuml;hlen mag und soll.&lt;/P&gt;
&lt;P&gt;Gerade weil Musik eine k&amp;ouml;rperliche Kunst ist, geh&amp;ouml;rt der K&amp;ouml;rper dazu: zu dem einen, nicht als ein eigenes Werk, und sollte in diesem Sinne der Kongruenz in die Gestaltung des Werkes eingebunden sein, und nicht dagegen arbeiten, d.h. ablenken. Freejazz nackt zu spielen, ist indessen noch konsequenter, als nur noch schwarze Quadrate zu malen, wenn man einmal damit angefangen hat. Die in Frage stehende Musik hei&amp;szlig;t ja nicht umsonst &amp;bdquo;ernst&amp;ldquo;, und das Adjektiv hat in diesem Kontext eine viel weitere, weil grundlegendere Spannweite als im allt&amp;auml;glichen Sprachgebrauch (h&amp;auml;ufig zu beobachtende Komplikation). Wenn nun aber Lang Lang ein ganzes Mendelssohn-Scherzo hindurch unausgesetzt und wirklich debil vor sich hin grinst, ein Augenbrauenfeuerwerk auff&amp;uuml;hrt und mit den Schultern tanzt, dann wird aus jenem Ernst ein Spiel. Das Problem ist dabei nur in zweiter Linie, dass mit dieser Musik gro&amp;szlig;e europ&amp;auml;ische Kunstwerke und mit ihnen die darin gestellten Fragen nach dem Selbstverst&amp;auml;ndnis unserer Zivilisation auf dem (auf einem ganz anderen) Spiel stehen. Das Problem ist, wie bereits weiland Prof. Gehlen in einer denkw&amp;uuml;rdigen Podiumsdiskussion mit Prof. Beuys sagte, dass es, wenn die Kunst zum Spiel geworden ist, nicht mehr &amp;bdquo;gut&amp;ldquo; und &amp;bdquo;schlecht&amp;ldquo; geben kann, sondern nur mehr &amp;bdquo;lustig&amp;ldquo; und &amp;bdquo;langweilig&amp;ldquo;. Jenes erste Gegensatzpaar ist sicherlich zuviel gewollt und in unserer mentalit&amp;auml;tsgeschichtlichen Disposition nicht mehr vorbehaltlos zu denken: das zweite Gegensatzpaar aber ist mit ebensolcher Sicherheit unterkomplex und dem Gegenstand ernster Musik nicht angemessen. &lt;/P&gt;
&lt;P&gt;In diesem Sinne, aus einem Nachdenken und gerade auch einer Umarmung des K&amp;ouml;rpers in der Musik, erscheint der B&amp;uuml;hnenk&amp;ouml;rper Lang Langs h&amp;ouml;chst grenzwertig und er bef&amp;ouml;rdert sich mit jeder Zuckung &amp;uuml;ber diese Grenze hinaus. Es ist nicht das ob, sondern das wie im Spannungsverh&amp;auml;ltnis zur T&amp;auml;tigkeit und in den gemischten Effekten.&lt;/p&gt;</description>
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		<title>Musikalische EU-Erweiterung (06.10.2009)</title>
		<link>http://magazin.klassik.com/autoren/blog.cfm?PostID=128&amp;USID=25191</link>
		<author>Boris Michael Gruhl</author>
		<description>&lt;p&gt;Immer wieder festzustellen unter Musikfreunden: Wenn der Name Enescu f&amp;auml;llt, ist Begeisterung zu vernehmen. Kaum jemand, der nicht da etwas geh&amp;ouml;rt hat; sich an eine Auff&amp;uuml;hrung erinnert; von der Bielefelder, der Berliner/Wiener oder j&amp;uuml;ngst der Bukarester Auff&amp;uuml;hrung der einzigen Oper &amp;sbquo;Oedipe&amp;rsquo; zu berichten wei&amp;szlig;. Ist dann unter Umst&amp;auml;nden die Neugier geweckt, und man fragt nach M&amp;ouml;glichkeiten, Musik von George Enescu zu h&amp;ouml;ren, beginnt die gro&amp;szlig;e Ratlosigkeit.&lt;/p&gt;
&lt;P&gt;&lt;strong&gt;Europ&amp;auml;ische Begegnungen&lt;/strong&gt;&lt;/P&gt;
&lt;p&gt;Man muss in deutschen Konzertprogrammen nach seinen Werken lange suchen. Ganz selten werden sinfonische Werke aufgef&amp;uuml;hrt. Freunde der Kammermusik dagegen k&amp;ouml;nnten eher Gl&amp;uuml;ck haben. Von Oktober an geht das Duo Remus Azoitei (Violine) und Eduard Stan (Klavier) im Rahmen eines vom Rum&amp;auml;nischen Kulturinstitut f&amp;uuml;r zwei Jahre konzipierten Projektes unter dem Motto &amp;sbquo;Enescu &amp;ndash; Brahms: Europ&amp;auml;ische Begegnungen&amp;rsquo; auf Tournee und gibt Konzerte sowohl in namhaften Musikzentren Deutschlands als auch in einigen Metropolen Europas. In der internationalen Kammermusikszene sind die beiden Solisten rum&amp;auml;nischen Ursprungs keine Unbekannten. Auf zwei CDs hat das Duo bisher bei H&amp;auml;nssler Classic Enescus Werke f&amp;uuml;r Violine und Klavier herausgebracht. Nach ihrem Vorstellungskonzert in der Londoner Wigmore Hall schrieb Richard Whitehouse: &amp;sbquo;Atzoi und Stan best&amp;auml;tigten, dass sie zu den au&amp;szlig;ergew&amp;ouml;hnlichsten jungen Kammermusikduos der Welt geh&amp;ouml;ren.&amp;rsquo; In der FAZ ver&amp;ouml;ffentlichte Ellen Kohlhaas vor einem Jahr eine so ausf&amp;uuml;hrlich wie kenntnisreiche W&amp;uuml;rdigung dieser Einspielung.&lt;/p&gt;
&lt;P&gt;&lt;strong&gt;George Enescu (1881&amp;ndash;1955)&lt;/strong&gt;&lt;/P&gt;
&lt;p&gt;Enescu war ein begnadeter Pianist, ebenso ein weltweit gefeierter Geiger und Violinlehrer. Sein ber&amp;uuml;hmtester Sch&amp;uuml;ler war Yehudi Menuhin. In einem Gespr&amp;auml;ch mit dem Pianisten Eduard Stan (geboren in Rum&amp;auml;nien, mit elf Jahren 1978 nach Deutschland gekommen, Sch&amp;uuml;ler von Arie Vardi in Hannover, jetzt selbst neben der Konzertt&amp;auml;tigkeit Lehrer an der Musikhochschule in L&amp;uuml;beck) erfahre ich etwas &amp;uuml;ber die Besonderheiten der Musik George Enescus. Zweifellos steht bei diesem Komponisten die Melodie im Vordergrund. Enescu ist gepr&amp;auml;gt von der deutschen Sp&amp;auml;tromantik, von franz&amp;ouml;sischen Einfl&amp;uuml;ssen, und auch das Werk Wagners hinterlie&amp;szlig; seine Eindr&amp;uuml;cke. Das besondere melodische Verst&amp;auml;ndnis aber ist geformt von seiner Herkunft und den Einfl&amp;uuml;sse der heimatlichen Traditionen. Ein &amp;Uuml;briges tat die fr&amp;uuml;he Ausbildung in Wien bei Joseph Helmesberger, die Begegnung mit Johannes Brahms, nicht zuletzt die Musik Frankreichs in der ersten H&amp;auml;lfte des letzten Jahrhunderts.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Enescus Umgang mit der Volksmusik, so erfahre ich, ist zwar durchaus mit Bartok vergleichbar, aber unterscheide sich insofern, als man seinen Umgang mit den Traditionen subtiler einzusch&amp;auml;tzen hat. Direkte &amp;Uuml;bernahmen wird man vergeblich suchen, w&amp;ouml;rtliche Zitate gibt es nicht. Es gelingt Enescu vielmehr, in h&amp;ouml;chst sublimer Form den Charakter der &amp;Uuml;berlieferungen in seine Kompositionen einzubinden. Die zwar beliebten und verh&amp;auml;ltnism&amp;auml;&amp;szlig;ig oft gespielten beiden &amp;sbquo;Rum&amp;auml;nischen Rhapsodien&amp;rsquo; vermitteln nur ein vages Bild von der kompositorischen Originalit&amp;auml;t Enescus. Im angesprochenen Konzert wird das Duo auch die Sonate Nr. 3 a-Moll op. 25 (&amp;sbquo;in caracter popular romanesc&amp;rsquo;) spielen &amp;ndash; eben genau eines der Werke, bei denen man h&amp;ouml;ren kann, was es bedeutet, etwa die Melancholie der Ges&amp;auml;nge traditioneller Hirtenliedern aus der Moldaugegend Rum&amp;auml;niens nicht zu &amp;uuml;bernehmen; sondern ihre Stimmungen, ihre Farben und ihre Emotionen einflie&amp;szlig;en zu lassen in die subtile Intimit&amp;auml;t eines kammermusikalischen Dialoges zweier Instrumente, der Violine und des Klaviers. Das andere Werk Enescus in diesem Programm, so der Pianist Eduard Stan im Gespr&amp;auml;ch, ist das Torso der Sonate a-Moll, ein monumentaler Satz. Er ist als Fragment reizvoll und vor allem in Korrespondenz zur dritten, ebenfalls in a-Moll stehenden Sonate, von der schon die Rede war.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Angesprochen war auch schon die Verbindung zu Johannes Brahms. Er dirigierte unter anderem das Orchester des Wiener Konservatoriums, in dem unter anderen Enescu musizierte. Nicht wenige Solisten spielen bis heute bei Auff&amp;uuml;hrungen des Violinkonzertes von Johannes Brahms die Kadenz von George Enescu. Es k&amp;ouml;nnte f&amp;uuml;r die Zuh&amp;ouml;renden spannend sein, den direkten und indirekten Korrespondenzen zu folgen. Denn zweifellos hat das Werk von Brahms einen gro&amp;szlig;en Eindruck bei Enescu hinterlassen. Aber auch hier gilt: Direkte &amp;Uuml;bernahmen sind nicht auszumachen, aber &amp;Auml;hnlichkeiten der Empfindung. Zudem hat Enescu auch f&amp;uuml;r &amp;auml;hnliche Kammermusikbesetzungen wie Brahms komponiert, Werke von Brahms als Pianist, Violinsolist und Dirigent selbst interpretiert. Als Dirigent und als Solist beider Instrumente, Interpret eigener Musik, aber auch anderer Komponisten, ist der in seiner Wirkung wie in seinem Denken wahrhaft gro&amp;szlig;e Europ&amp;auml;er aus Rum&amp;auml;nien in zahlreichen historischen Aufnahmen dokumentiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und auch bei der Verbreitung des Werkes sind hoffnungsvolle Tendenzen auszumachen. Dazu geh&amp;ouml;rt sicher auch das Angebot des Enescu-Festivals Heidelberg/Mannheim mit seinem Gr&amp;uuml;nder und k&amp;uuml;nstlerischen Leiter Remus Azoitei. Nach seinem Deb&amp;uuml;t im Alter von acht Jahren spielte er mit den wichtigen Orchestern seiner Heimat in Rum&amp;auml;nien. Bald pries ihn die Presse bei seinen Auftritten au&amp;szlig;erhalb Rum&amp;auml;niens als &amp;sbquo;hemmungslosesten Virtuosen, der mit Seele und flamboyanter Technik&amp;rsquo; spiele. Der Gewinner mehrerer Wettbewerbe ist jetzt Violinprofessor an der Royal Academy of Music in London.&lt;/p&gt;
&lt;div&gt;Hier k&amp;ouml;nnen Sie das Duo h&amp;ouml;ren:&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Nach dem Auftakt der Tournee in M&amp;uuml;nchen wird das Duo mit dem Brahms-Enescu-Programm in Stockholm, Br&amp;uuml;ssel, Hamburg, Prag, Kopenhagen, Madrid, Paris, Dublin, Amsterdam, Wien und Berlin gastieren. Es folgen zum Jahresende Konzerte in Bukarest, Washington und zum Abschluss in der New Yorker Carnegie-Hall.&lt;/p&gt;
&lt;div&gt;CD Empfehlungen (Auswahl):&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;George Enescu, Masterworks, 6 CDs, historische Aufnahmen, &lt;br /&gt;
Star Media Music, Rum&amp;auml;nien&lt;br /&gt;
Enescu und Lipatti interpretieren Enescu und Lipatti, historische Aufnahmen, 2 CDs, Electrocord, Rum&amp;auml;nien&lt;br /&gt;
George Enescu, Oedipe, Lyrische Trag&amp;ouml;die, Dichtung von Edmond Pleg, mit David Ohanesian, Dan Iordachescu, Valentin Teodorian, Zenaida Pally, Elena Cernei u.a. &lt;br /&gt;
Chor und Orchester der Rum&amp;auml;nischen Nationaloper Bukarest, Leitung: Stelian Olariu, historische Aufnahme von 1964, 2 CDs, Electrocord, Rum&amp;auml;nien&lt;/p&gt;</description>
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	<item>
		<title>Epochen und Stockwerke (05.10.2009)</title>
		<link>http://magazin.klassik.com/autoren/blog.cfm?PostID=127&amp;USID=58311</link>
		<author>Tobias Roth</author>
		<description>&lt;p&gt;Der letzte Abend der Jubil&amp;auml;umsfeier im Konzerthaus wurde mit zwei parallelen Konzerten begangen: Neue Musik in kleiner Besetzung im Werner-Otto-Saal, und gr&amp;ouml;&amp;szlig;er dimensionierte Werke von Weber, Mendelssohn, Eben und Haydn im Gro&amp;szlig;en Saal. Ich versuchte von diesem doppelten Abend je etwa eine H&amp;auml;lfte mitzuerleben, was zwar ein ganzes, aber auch ungewohntes Konzertprogramm f&amp;uuml;r mich ergab; und &amp;bdquo;ungewohnt&amp;ldquo; hat dabei keinerlei negative Nebenbedeutung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste H&amp;auml;lfte im Werner-Otto-Saal bot Werke von Juliane Klein (*1966) und Jean-Luc Herv&amp;eacute; (*1960). Kleins Werk &amp;bdquo;Die Stockung&amp;ldquo; war 1992 im Konzerthaus mit dem Kammerensemble Neue Musik Berlin uraufgef&amp;uuml;hrt, und dieses Ensemble war auch heute Abend zu h&amp;ouml;ren. Das St&amp;uuml;ck nimmt Bezug auf einen Orakelspruch aus dem I-Gin, der da lautet: &amp;bdquo;Schlechte Menschen sind nicht f&amp;ouml;rdernd / f&amp;uuml;r die Beharrlichkeit des Edlen. / Das Gro&amp;szlig;e geht hin, das Kleine kommt herbei.&amp;ldquo; Es war also kein besonders optimistisches Werk zu erwarten, und das kam auch nicht. Heftige, aggressive Ger&amp;auml;usche, die sowohl die Grenze der H&amp;ouml;rbarkeit, als auch die Schmerzes ausloteten, langgezogene Dissonanzen, grell und rohrblattlaut, entwickelten sich entlang des pessimistischen Spruchs. Was aus dem ethischen Dilemma, der dunklen Prognose darin gemacht wurde, blieb am Ende offen. Das Offenbleiben, das fast orthodoxe Credo neuerer Kunst geradezu aller Gattungen, zeigt seine problematisierende Sprengkraft gerade in der Konfrontation mit solchen Orakelspr&amp;uuml;chen, die noch ganz genau wissen, was &amp;bdquo;gro&amp;szlig;&amp;ldquo; und was &amp;bdquo;klein&amp;ldquo; ist, was edel und was nicht. Was vom Orakelspruch seinen Ausgang nahm, um die Welt zu stabilisieren, geriet ins Stocken. Solche Interpretation machen freilich das sinnliche Erlebnis nicht genussreicher. (aber, mutatis mutandis: &amp;bdquo;Dada ist auch keine Bed&amp;uuml;rfnisanstalt.&amp;ldquo;)&lt;br /&gt;
Auch das zweite Werk war 2005 im Konzerthaus uraufgef&amp;uuml;hrt worden; so lieferten auch diese Werke ihren diskursiven Beitrag zur Geschichte des Hauses. &amp;bdquo;Entl&amp;ouml;se&amp;ldquo; von Jean-Luc Herv&amp;eacute; ist zusammen mit einem Text von Ulrich Schlotmann entstanden, der heute, wie auch schon bei der Urauff&amp;uuml;hrung, selbst las. Der Text aus kargen Aussages&amp;auml;tzen, die Naturbilder und -vorg&amp;auml;nge beschrieben und durch &amp;auml;u&amp;szlig;erst sparsam eingesetzte Adjektive noch farbloser und karger wurde, wurde nach einem a-cappella-Beginn von Streichern und einem Klavier verl&amp;auml;ngert. Den textuellen Gesten, die wie gesagt sehr sparsam ausfielen, wurde so eine neue Dimension gegeben, in einer Anschmiegsamkeit an den Text, die sich woh mancher Autor f&amp;uuml;r eine Lesung w&amp;uuml;nschen w&amp;uuml;rde. Beschreibungen des Schwankens, Rauschens, Splitterns, Wachsens, Klebens oder Flie&amp;szlig;ens wurden so doppelt und je uneigentlich durch die verschiedenen Verweisungssysteme der Musik und Literatur verarbeitet. Nach und nach Beschleunigte sich die Sprache und begann in Wiederholungen zu zirkulieren, wie um die geschlossenen Kreisl&amp;auml;ufe der Natur in Gleichf&amp;ouml;rmigkeit aufzuzeigen, und die Musik verdichtete, steigerte sich zugleich. Ewige Wiederkehr und st&amp;auml;ndige Ver&amp;auml;nderung gingen hier also ihre ber&amp;uuml;hmte seltsame und bemerkenswerte Ehe ein. Kosmologisch wurde es inzwischen auch im Gro&amp;szlig;en Saal, wo gerade ein &amp;bdquo;Te deum&amp;ldquo; gespielt wurde, das ich naturgem&amp;auml;&amp;szlig; nicht h&amp;ouml;rte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf mehreren Hochzeiten zu tanzen wird allerdings bedeutend einfacher, wenn sie im gleichen Haus gefeiert werden. Gleichsam nur durch eine T&amp;uuml;r, konkret durch G&amp;auml;nge und ein Stockwerk, musste ich gehen, um schon von der Neuen Musik zu Joseph Haydn zu gelangen. Dessen sog. &amp;bdquo;Theresienmesse&amp;ldquo; wurde als Abschluss des letzten Konzerts im Programm der viert&amp;auml;gigen Jubil&amp;auml;umsfeierlichkeiten gespielt. Unter der Leitung des Altmeisters Peter Schreier musizierten das Kammerorchester &amp;bdquo;Carl Philipp Emanuel Bach&amp;ldquo; und die Berliner Singakademie, in gro&amp;szlig;er, vielleicht darf man sogar sagen in Hochform.&lt;br /&gt;
Die Theresienmesse, ein Werk, das in Ausdehnung und Zusammenhangssetzung die liturgische Funktion ausreizt, bzw. zu sprengen droht, machte das Konzerthaus im Ensemble des Gendarmenmarkts buchst&amp;auml;blich zum Tempel einer Kunstreligion. Sie zog, s&amp;auml;kularisiert wie sie war, ihre Aura nicht aus der Messe, sondern ganz aus der Faktur und der Interpretation. Die ber&amp;uuml;hmte Besetzung machte ihren Namen alle Ehre, das Timing des Solistenquartetts (Ute Selbig, Sopran; Britta Schwarz, Alt; Markus Sch&amp;auml;fer, Tenor; Egbert Junghanns, Bassbariton) war gl&amp;auml;nzend. In diesem Sinne warf die Theresienmesse allerdings eine gleichsam &amp;auml;sthetische Theodizee auf: wie n&amp;auml;mlich ein angenommener Gott sich bei einem solchen &amp;bdquo;Kyrie eleison&amp;ldquo; nicht schlagartig und vollst&amp;auml;ndig erbarmen k&amp;ouml;nne. Andersherum k&amp;ouml;nnte man nat&amp;uuml;rlich auch sagen, dass Joseph Haydn ein gro&amp;szlig;er Erbarmensvorschuss war, von dessen Zins wir auch heute, bzw. heute Abend, genie&amp;szlig;en konnten und k&amp;ouml;nnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist ein seltsames Vergn&amp;uuml;gen, zwischen zwei Konzerten hin und her zu springen. Der Wechsel allerdings, der zwischen Epochen, Stimmungen und Gehalten so entsteht, ist nur in der Zeit gedr&amp;auml;ngter, er kann sich auch in einem Saal, in einem Konzert in dieser Art vollziehen. Das Konzerthaus erm&amp;ouml;glicht diesen Wechsel, auch wenn nur eine Karte gel&amp;ouml;st wurde, und diese Vielfalt der Programmgestaltung erscheint mir nicht nur als Kennzeichen unserer Zeit &amp;ndash; sondern auch als Chance, einen genuinen inhaltlichen Mehrwert in der Vermittlung von Kunst zu erzielen. Der Blick, der auf ein tradiertes und/oder tradierenswertes Musikst&amp;uuml;ck gelegt wird, ist immer von mehreren Polen, mehreren Perspektiven gepr&amp;auml;gt; im einfachsten Fall treten die Zeitpunkte der Komposition und der Rezeption zusammen, die erheblich auseinander liegen k&amp;ouml;nnen. Die N&amp;auml;he dieser Zeitpunkte ist dabei kein Garant f&amp;uuml;r problemlosen Anschluss, ganz im Gegenteil. Es ist eine europ&amp;auml;ische Tradition, dass die Kunstproduktion einen Ausnahmefall des Weltzugangs darstellt, sie darf sperrig, ungewohnt, und neu bis zur Unverst&amp;auml;ndlichkeit sein. Dieser erschwerte Anschluss verlangt Bewegung, und gro&amp;szlig;e Werke vermitteln schon sinnlich ein Vertrauen, dass diese Bewegung nicht umsonst sein wird. Es regt die Geister auf, in jedem Sinne, und diese Auf- und Erregung ist eine der Hauptaufgaben &amp;ouml;ffentlicher Orte der Kunst. Eine intelligent durchmischte und vielf&amp;auml;ltige Programmgestaltung kann diese Prozesse doppelt verst&amp;auml;rken und f&amp;ouml;rdern. Sie kann einerseits die Verschiebungen des Zugangs durch die Zeit thematisieren, indem sie beispielsweise inhaltliche Zusammenh&amp;auml;nge durch verschiedene Epochen verfolgt, oder einen direkten Ankn&amp;uuml;pfungspunkt in unsere Gegenwart vorschl&amp;auml;gt und mitliefert. Zugleich aber kann sie auch das Verst&amp;auml;ndnis der Klassiker, der kanonisierten und im Selbstverst&amp;auml;ndnis der Kultur unabdingbaren Werke kontextualisieren, verunsichern, und dabei aufzeigen, dass auch Haydn noch Entgegenkommen und Anstrengung verlangt, wenn er die Funktion des Klassischen &amp;uuml;berhaupt erf&amp;uuml;llen soll. Denn diese Gr&amp;ouml;&amp;szlig;en sind immer auf den H&amp;ouml;rer gerichtet. Oder wie Hans Magnus Enzensberger geschrieben hat: &amp;bdquo;Die Klassiker sind au fond nicht weniger unverst&amp;auml;ndlich als die Autoren der Moderne. Widerspruch ist auch ihre Poesie.&amp;ldquo;&lt;br /&gt;
In der Pr&amp;auml;sentation von Alter und Neuer Musik, sowie des Reichtums, der sich zwischen diesen Polen entfaltet hat, nimmt sich das Konzerthaus der Aufgabe an, und es ist gewiss keine unbegr&amp;uuml;ndete Hoffnung, dass das auch so bleiben wird. Dennoch wird man sich noch mehr w&amp;uuml;nschen &amp;ndash; denn genug kann es hier nicht geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;</description>
	</item>
	
	<item>
		<title>Einheitsfeste und skandinavische Geschichten (03.10.2009)</title>
		<link>http://magazin.klassik.com/autoren/blog.cfm?PostID=126&amp;USID=58311</link>
		<author>Tobias Roth</author>
		<description>&lt;p&gt;Der Tag der deutschen Einheit wurde nat&amp;uuml;rlich auch auf dem Gendarmenmarkt gefeiert. Das Berliner Salonorchester spielte Gef&amp;auml;lliges von der Freitreppe herunter, gro&amp;szlig;formatige Photos von verschiedenen Zust&amp;auml;nden des Platzes (zur&amp;uuml;ck reichend bis 1880) waren aufgestellt, allein wirklich voll sah der gro&amp;szlig;e Platz nicht aus. Das mochte am Wetter, an den vielen anderen Einheitsfeiern, oder am weitl&amp;auml;ufigen Raumeindruck gelegen haben.&lt;br /&gt;
Der Gendarmenmarkt ist nicht nur der sch&amp;ouml;nste Platz Berlins, sondern rahmt auch mit einer denk-w&amp;uuml;rdigen Konstellation einen Ort der fl&amp;uuml;chtigen Kunst mit zwei Kirchen: dieser Aufbau, in dem sich sowohl die aufkl&amp;auml;rerische Denkfigur, als auch die romantische Kunstreligion wieder finden k&amp;ouml;nnen, indem sie den architektonischen Klassizismus gleichsam in die mentalit&amp;auml;tsgeschichtliche Mitte nehmen, dieser Aufbau also entstand durch genau den Umbau, der den Grund f&amp;uuml;r den Namen des Platzes beseitigte. Auf dem im Zuge des urbanistischen Gro&amp;szlig;projekts der Friedrichsstadt ab 1688 angelegten Platz standen ab 1736 die Stallungen eines K&amp;uuml;rassierregiments, der exklusiven Truppe der &amp;bdquo;Gens d&amp;rsquo;armes&amp;ldquo;. 1773 lie&amp;szlig; Friedrich der Gro&amp;szlig;e diese Stallungen abrei&amp;szlig;en, und ein kleines Theater zwischen die Kirchen, den Franz&amp;ouml;sischen und den Deutschen Dom, bauen. Bald wurde dieses Theater durch ein veritables Nationaltheater nach Pl&amp;auml;nen von Carl Gotthard Langhans ersetzt; Langhans, ein gro&amp;szlig;er Klassizist, ist vor allem als Baumeister des Brandenburger Tors bekannt. Dieser Bau stand aber nur 15 Jahre, brannte 1817 ab, und mit Karl Friedrich Schinkel kam der noch gr&amp;ouml;&amp;szlig;ere Klassizist, der 1821 das Schauspielhaus er&amp;ouml;ffnen konnte, dessen Au&amp;szlig;enbau auch heute noch zu sehen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Innenraum des jetzigen Konzerthauses begann heute auch das ausdr&amp;uuml;ckliche Kinderprogramm, das auch morgen, am Sonntag, einen gro&amp;szlig;en Teil der Programmgestaltung einnehmen wird. Im Musikclub ist hierzu eine Inszenierung von 2007 wiederaufgenommen worden: &amp;bdquo;Algot Storm&amp;ldquo;, eine Dramatisierung des gleichnamigen Kinderbuchs von Barbro Lindgren (nicht zu verwechseln und auch nicht verwandt mit der gleichnamigen Astrid). Diese B&amp;uuml;hnenfassung von Byteatern Kalmar wurde vom Konzerthaus zus&amp;auml;tzlich mit Musik von Edvard Grieg, haupts&amp;auml;chlich aus den Lyrischen St&amp;uuml;cken, angereichert, Arrangements f&amp;uuml;r die seltene, aber sehr stimmungsvolle Besetzung eines Kammerensembles aus Klarinette, Cello, Harfe und Schlagzeug. Die Geschichte des Algot Storm erz&amp;auml;hlt die Geschichte des stets freundlichen, aber bis zur tristesse einsamen Protagonisten, der eines Tages im Park von einem Wurm angesprochen wird. Nach der &amp;Uuml;berwindung gegenseitiger Gew&amp;ouml;hnungsschwierigkeiten, und nachdem der Wurm mit einem Namen und einem Anzug nebst Hut versorgt ist, verstehen sich die zwei ganz gut. Aber nicht nur die Unordnung, die der Wurm Karlknut in Algots Wohnung anrichtet, bringen den Menschen dazu, den Wurm wieder im Park auszusetzen; freilich nicht auf lange. Am Ende finden sie sich wieder und bleiben zusammen: nicht zuletzt verbunden durch die gemeinschaftsstiftende Kraft des vierh&amp;auml;ndigen (bzw. in diesem Fall wohl eher elffingrigen) Klavierspiels.&lt;br /&gt;
Der einzige Schauspieler auf der B&amp;uuml;hne, Thomas Mette, verstand es sehr gut, diese Geschichte mit einer wunderbar friedfertigen und warmen Komik zu erf&amp;uuml;llen, und bekam daf&amp;uuml;r vom Publikum viel Gel&amp;auml;chter und Applaus gespendet. Die Gesten des pantomimisch und stimmlich hoch agilen Mette wurden vom Kammerensemble musikalisch verl&amp;auml;ngert &amp;ndash; und wohl selten reagiert ein Publikum so direkt und angebracht darauf, wenn diese Gesten durch die vierte Wand hindurch verl&amp;auml;ngert werden und der Fiktionsraum aufbricht, wie es das junge Publikum im Musikclub tat.&lt;br /&gt;
&amp;bdquo;Algot Storm&amp;ldquo; und &amp;bdquo;Eine kleine Zauberfl&amp;ouml;te&amp;ldquo;, eine Produktion der Augsburger Puppenkiste, sind auch am 4.10., dem letzten Tag der Jubil&amp;auml;umsfeierlichkeiten wieder im Konzerthaus zu sehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;</description>
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